Leverkusen: Widerstand gegen die neue Kunsthalle

Leverkusen: Widerstand gegen die neue Kunsthalle

Die Leverkusener Grünen werden noch in diesem Monat eine Abstimmung über die Museums-Pläne herbeiführen.

Die Zeit erscheint knapp: Am Montag, 26. Februar, um 16 Uhr tagt der Leverkusener Stadtrat. Dann soll es auch um die Zukunft des Schlosses Morsbroich inklusive seines international bedeutenden Museums gehen. Bevor es soweit ist, wollen die Leverkusener Grünen jedoch noch eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Denn die zu treffenden Entscheidungen - teilweise in Millionenhöhe - sollen zuvor von der Parteibasis abgesegnet oder gegebenenfalls verworfen werden. Das findet jedenfalls Klaus Wolf, der für die Partei im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Planen sitzt.

Er ist selbst Kunstlehrer und bildender Künstler - damit also über jeden Zweifel erhaben, als "Kunstbanause" der Rettung des Schlosses im Wege stehen zu wollen. Aber ohne Mitgliedervotum den Bau einer zusätzlichen Kunsthalle zu unterstützen, die 9,6 Millionen Euro kosten soll, das wolle er dann doch nicht allein durch die Fraktion entschieden wissen, sondern, "wie nach guter Tradition der Grünen üblich, durch das Votum einer Mitgliederversammlung".

Beim Neujahrsempfang der Partei sammelte er entsprechend Unterschriften - jetzt geht es nur noch um einen Termin. Wolf betont: "Ich will keinen Unfrieden. Ich frage mich nur: Wer soll die jährlichen Betriebskosten einer neuen Halle in Höhe von einer halben Million Euro übernehmen?" Die Stadt könne das ganz sicher nicht, und bei Sponsoren habe er auch so seine Bedenken.

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Der Kulturetat, so argumentiert der ehemalige grüne Bürgermeister im Gespräch mit unserer Redaktion, habe keinerlei Spielraum: "Bevor wir jetzt also, wie im Rettungskonzept vorgesehen, jede Menge Parkplätze in den Rasen setzen, sollten wir uns vergewissern, ob wir die Belastung einer zusätzlichen Kunsthalle als Stadt Leverkusen überhaupt stemmen können", sagt Wolf.

Eineinhalb Jahre hat der Museumsverein nach dem Vorschlag einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, das Museum aus Kostengründen zu schließen, intensiv gearbeitet - für den Erhalt von Schloss, Museum und Park. Herausgekommen ist ein 146 Seiten starkes Gutachten, das unter anderem den Umbau der Schlossgastronomie empfiehlt, einen Kinder-Museumsspielplatz und einen weiteren Parkplatz für 100 Autos - sowie eben eine neue Kunsthalle als Zubau. "Darüber wird jetzt im Stadtrat aber noch gar nicht entschieden, betonte Grünen-Fraktionschefin Roswitha Arnold gestern: "Wir nehmen nur das Konzept zur Kenntnis und beauftragen den Oberbürgermeister, sich zu kümmern. Dazu braucht man kein Mitgliedervotum." Wolfs Ansatz verstehe sie durchaus: "Auch ich weiß noch nicht, ob ich die Kunsthalle am Ende befürworte." Sich jetzt jedoch festzulegen bedeute, "den vierten Schritt vor dem ersten zu tun".

(RP)
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