Leverkusen: Wer das Bayer-Kreuz erfunden hat, ist ein Geheimnis

Leverkusen : Wer das Bayer-Kreuz erfunden hat, ist ein Geheimnis

Vor 109 Jahren wurde das Logo patentiert. Darüber, wer es kreiert hat, herrscht auch im Konzern Rätselraten.

Es gibt Menschen, die tragen als Tätowierung auf dem Unterarm, was Werner Wenning wohl im Herzen trägt oder herunterdrückt, wenn er als Aufsichtsratschef Gebäude Q 26 im Chempark betritt. Vorher auf der B 8 hat er dazu aufgeschaut, um zu sehen, ob noch alle Lampen glühen. Vielleicht hat er noch zu Hause eine Aspirin eingesteckt. Und da ist es sowieso drauf — das Bayer-Kreuz. Kaum ein Markenzeichen ist weltweit so bekannt. Heute. Vor 150 Jahren, als Friedrich Bayer und Johann Friedrich Westkott das Unternehmen in Wuppertal aus der Taufe hoben, war von einem Kreuz als Firmensymbol nichts zu sehen.

Wer hat es dann erfunden? So viel ist sicher: Die Schweizer wie in der Kräuterbonbon-Werbung waren es nicht. Viel mehr aber weiß der Konzern selbst auch nicht über den "Designer" des Firmenlogos: "Zwei unterschiedliche Versionen über die Entstehungsgeschichte liegen im Unternehmensarchiv vor", berichtet Firmensprecher Hans-Bernd Schmitz:

Variante A: Hans Schneider, Mitarbeiter der Wissenschaftlichen Abteilung in Elberfeld, war's. Ein Augenzeuge gab damals zu Protokoll: "Es war im Jahr 1900. Ich hatte einige Angelegenheiten mit ihm zu besprechen, als er auf einem Stück Papier das Wort ,Bayer' in Großbuchstaben einmal geradeaus und nochmals von oben bis unten schrieb. Das Ergebnis war das Bayerkreuz-zeichen. Plötzlich entfernte er den Bogen vom Schreibblock, entschuldigte sich und begab sich zur Direktion. Dort wurde das Zeichen bewundert."

Variante B: Und es war doch ein Schweitzer. Ein Dr. Schweizer, der Ende des 19. Jahrhunderts in der New Yorker Bayer-Filiale arbeitete und dort die Medizinwelt von den Produkten aus Deutschland überzeugen sollte. Schwierig stellte sich dabei mitunter der ziemlich lange damalige Firmenname "Farbenfabriken vormals Friedr. Bayer & Co., Elberfeld" heraus. Schweitzer entwickelte einen einprägsamen Stempel mit dem Bayer-Kreuz. Den soll's erst auf Briefköpfen gegeben haben, später auf Prospekten. In der Zentrale in Elberfeld kam das gut an.

Wie's wirklich war — es bleibt auf immer ein Geheimnis. Fakt ist aber dies: Vor 109 Jahren, am 6. Januar 1904, wurde das Bayer-Kreuz mit dem Aktenzeichen F 4777 in die Zeichenrolle des kaiserlichen Patentamts eingetragen. Laufende Nummer: 65777. "Das Emblem war zunächst für ,Arzneimittel für Menschen und Tiere, Desinfektionsmittel, Konservierungsmittel, Teerfarbstoffe und chemische Präparate für Färberei und für photografische Zwecke' geschützt", erzählt Schmitz. Zehn Jahre dauerte es, dann nutzte Bayer sein Kreuz auch für Pflanzenschutzerzeugnisse. Der Löwe, der ursprünglich als Firmenlogo diente, hatte ausgedient. Vergessen hat ihn Bayer nicht: In Leverkusen liegt an der Einfahrt der Kaiser-Wilhelm-Allee im Chempark ein steinernes Exemplar, und das Restaurant im Untergeschoss des Bayer Kasinos heißt "Zum Löwen".

Das Bayer-Kreuz begann als Wahrzeichen seinen Siegeszug — als Prägung auf Aspirin- und anderen Tabletten, als mehrfach modifiziertes Logo auf Briefbögen, Verpackungen... , als Türgriffverschönerung der Ex-Konzernzentrale Q 26, ab 1933 als Riesenleuchtreklame. Die wurde 2007 vor dem Abriss gerettet. Wer das tat, steht sicher ohne Variante A oder B in den Dokumenten im Unternehmensarchiv: die 21 000 Menschen, die ihre Unterschrift dafür gaben und der damalige Bayer-Chef Werner Wenning.

(RP)
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