Leverkusen: Weniger RWE-Geld: Stadt macht trotzdem kein Minus

Leverkusen : Weniger RWE-Geld: Stadt macht trotzdem kein Minus

Ein gutes Gespür hat die Stadt offenbar beim Aufstellen des Wirtschaftsplans für den Sportpark bewiesen. Oder einfach nur gut aufgepasst, als der Energiekonzern RWE im Herbst vergangenen Jahres ankündigte, der Aktionärsversammlung vorzuschlagen, eine Dividende von nur einem Euro pro Aktie auszuschütten.

"Wir waren vorsichtig und haben die Einnahmen durch unsere RWE-Aktien auch nur mit einem Euro pro Aktie im Wirtschaftsplan des Sportparks kalkuliert", sagt Finanzdezernent Frank Stein. "Die Nachricht, dass die RWE-Dividende schrumpft, kam nicht als eine Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel. Es gab Warnzeichen am Horizont. Wir haben nüchtern abgewägt."

Die Stadt hält 520810 Aktien an RWE, bekommt also bei der Dividenden-Ausschüttung ebenso viel Geld wie sie Aktien hat. Die Summe fließt in den Sportpark. Stein erläutert: "Auf Aktien entfällt eine Kapitalertragssteuer. Wenn jemand gleichzeitig Verluste macht, kann das miteinander verrechnet werden. Bei der Stadt gibt es eine Art steuerlichen Querverbund. Heißt: Gewinnbringende Aktien-Erträge fließen in einen defizitären stätischen Betrieb wie hier etwa den Bäderbetrieb des Sportparks." So könne die Stadt einen steuerlichen Vorteil nutzen. Es müssen von den Aktien-Erträgen keine Steuern abgezogen werden. "Die 520810 Euro sind brutto für netto."

Auch die Erträge aus den Anteilen an der Energieversorgung Leverkusen (EVL) und IT-Dienstleister IVL gehen über den steuerlichen Querverbund an den Sportpark. So werde dort der Liquiditätsbedarf gedeckt, erläutert der Leverkusener Finanzdezernent.

"Bei uns gibt es auch keine Notwendigkeit einer Wertberichtigung. In unserer Bilanz entspricht der Wert der RWE-Aktie 26 Euro, also ungefähr der Höhe des aktuellen Börsenwerts", sagt Stein. "Andere Städte haben da viel größere Probleme. Bei ihnen hat die Aktie auf dem Papier Werte von 80, 90 Euro."

Natürlich "hätten wir eine höhere Dividende gerne mitgenommen", gibt er unumwunden zu. Selbst eine Verdreifachung der Ausschüttung decke nämlich noch nicht den Zuschussbedarf des Sportparks. Aber eine höhere RWE-Dividende sieht der Finanzdezernent in der näheren Zukunft nicht. Im Gegenteil. "Mir fehlt die Fantasie dafür, mir vorzustellen, dass RWE mit einem neuen Geschäftsmodell die Erträge verzeichnen wird können, die es vor ein paar Jahren einmal gab", gesteht Stein. Nachsatz: "Wir erleben derzeit einen grundsätzlichen Umbruch in der Energieversorgung." Stichwort erneuerbare Energien: Kohlekraftwerke etwa seien da im Grunde nicht mehr rentabel zu betreiben.

(RP)
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