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Waterlove: So wird am Rhein in Leverkusen aufgeräumt

Start-up engagiert sich in Wiesdorf : Waterlove: So wird am Rhein aufgeräumt

Jungunternehmerin Natalie Karij animierte die Firma Behrendsohn zum Müllsammeln in Wiesdorf. Mit Erfolg.

Lennox weiß gar nicht wohin mit dem nächsten vollen Eimer. Der erst sechs Jahre alte Junge sammelte jetzt mit seinen Eltern und einigen Freiwilligen Müll am Rhein. In der Tat schaut das Rheinufer auf den ersten Blick relativ sauber aus. Doch fällt der Blick einmal bewusst auf die Plastikverpackungen, Glasscherben, Zigarettenstummel und leeren Getränkekartons, sind sie allenorten nicht mehr zu übersehen.

Natalie Karij geht dieser Umstand mächtig auf die Nerven. Sie hat ihren Job aufgegeben, sich mit einem gemeinnützigen Unternehmen und demensprechend großem Risiko selbstständig gemacht. Waterlove heißt das Projekt. Ihr Ziel ist klar: Der Müll muss weg, die Nachricht solle endlich in den Köpfen der Menschen ankommen – und das so schnell wie nur irgendwie möglich. „Mir geht das alles auf die Nerven“, betonte die 35-Jährige am Rande der Aufräumaktion nahe der Wacht am Rhein. Unterstützung erfuhr sie dabei durch einige Mitarbeiter des Unternehmens Behrendsohn, die sich mit gelben Westen und vielen Müllbeuteln bewaffnet aus der Niederlassung in Langenfeld nach Leverkusen aufgemacht hatten.

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Fast entschuldigend wandte sich Karij in Richtung ihrer Helfer. „Wenn ihr einmal angefangen habt den Müll zu sehen, werdet ihr ihn immer und überall sehen – das ist so“, bekräftigte sie. Ihr selbst war es auch so ergangen. Jetzt baut sie ein Unternehmen um diese Entrüstung auf. Noch, berichtete sie, sei es völlig auf Spenden gegründet. So bezahle sie auch sich und ihre zwei Mitarbeiterinnen. In Zukunft aber soll es auf eigenen Beinen stehen und in einem Onlineshop umweltfreundliche Gebrauchsgegenstände anbieten.

„Die Leute erklären mich jetzt noch für verrückt“, sagte die Gründerin lächelnd. Tatsächlich ist ihr Plan wohl ein gewagter, der Schritt aber sicher nötig und richtig – vor allem für sie selbst. Seinen Hauptsitz hat Waterlove in Andernach, Rheinland-Pfalz. Kostenfrei kann Karij dort Räume für ein halbes Jahr nutzen. Sie will Kitas, Schulen, Unternehmen und ganze Städte an die Hand nehmen. In der knapp 30.000 Einwohner zählenden Gemeinde hat sich das bereits herumgesprochen. Selbst das Stadtoberhaupt, erzählte die 35-Jährige, ziehe mit. Weitere Aktionen habe es in Koblenz und weiteren großen Städten gegeben.

Nun also Leverkusen. Ein alter und verrosteter Einkaufswagen lag am Rheinufer. So diente er kurzer Hand als Müllsammelbecken. Wobei selbst der große Korb binnen ein, zwei Minuten gänzlich gefüllt war. „Ich finde es schade, dass die Leute so viel Glas liegen lassen. Wenn man da reintritt, tut das sehr weh“, bekundete auch Lennox.