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Warum Leverkusenes Oberbürgermeister der Wahlsieg kaum zu nehmen ist.

Kommunalwahl 2020 : „Corona-Meister“ Richrath ist Favorit

Analyse Der Kommunal-Wahlkampf beginnt, und Amtsinhaber Uwe Richrath startet als haushoher Favorit für die Oberbürgermeisterwahl. In der Krise hat er klar agiert und sich zusätzliches Vertrauen erworben. Warum ihm der Sieg kaum noch zu nehmen ist.

Als Uwe Richrath am 21. Oktober 2015 als Oberbürgermeister erstmals an seinen Schreibtisch im Rathaus Platz nahm, galt er noch als politisches Leichtgewicht mit dem Nimbus eines Überraschungssiegers. Vor allem die Deutlichkeit seines Sieges hatte für Aufsehen gesorgt:  Mit 51,2 Prozent der Stimmen gegenüber 29,8 Prozent des Verlierers hatte Richrath den Vorgänger Reinhard Buchhorn (CDU) aus dem Amt gekippt. Wer ist dieser Uwe Richrath, der erst sechs Jahre zuvor in den Stadtrat eingezogen war? Das fragten sich viele. Ein Textilhändler, passionierter Handballer und politischer Spätzünder. Während sich andere mühsam aus den Jugendorganisationen der Parteien heraus  über  viele Jahre hochdienen, bevor sie zu Macht und Einfluss gelangen, trat Richrath mit 39 Jahren in die SPD ein. Später sollte er Vorsitzender des Ortsvereins Rheindorf/Hitdorf werden. Ein Partei-Apparatschik aber, der um Pöstchen buhlt und Strippen zieht, war er nie.

Was hat er bisher richtig gemacht und warum ist er so populär? Was spricht sonst noch für ihn?

Der Corona-Meister Richrath und seine Dezernentenriege haben schnell reagiert, als die Pandemie ausbrach. Beim Kontaktverbot preschten sie vor, später dann auch bei der Maskenpflicht. Beide Male war Leverkusen vorne, die Landesregierung zog nach. Die schnelle Einrichtung eines Container-Labors am Klinikum und die mobile Abstrichstation am früheren Schlebuscher Freibad schufen zusätzliche Entlastung.  Der starke und eng eingebundene Partner Klinikum mit seiner modernen Infektionsstation sorgte für Sicherheitsleitplanken. Auch wenn zuletzt vielfach krititisierte „Bollerwagen-Verbot“ zum ersten Maiwochenende überzogen wirkte und vom Verwaltungsgericht teilweise gekippt wurde – der Stadtführung wird zugetraut, die Krise zu meistern. Richrath hat sich den Ruf eines „rheinischen Söders“ erworden. Bisher ist Leverkusen von größeren Infektionsherden, etwa in Altenheimen, verschont geblieben. Die Zahl der akut Infizierten bleibt weiter niedrig. Doch weiß Richrath  sicher auch, dass solche Lorbeeren schnell welken und es nun darauf ankommt, Lockerungen verantwortungsvoll voranzubringen, damit die Wirtschaft wieder atmen kann und somit auch der Steuerfluss nicht versiegt.

Rheinbrücke Der Skandal um Bauverzögerungen an der Rheinbrücke durch mangelhafte Stahlbauteile erreicht Richrath nicht. Im Gegenteil: Dass er darüber nicht oder erst sehr spät informiert wurde, wird Straßen NRW und der Landesregierung angelastet, er selbst wird als Opfer wahrgenommen. Unbelegte Verdächtigungen der Bürgerliste, die Stadtspitze sei früher informiert gewesen, prallen an ihm ab. Auch bei der Planung einer Autobahnraststätte in Leverkusen  inszeniert er sich geschickt als Kämpfer für die Interessen der Stadt, dem gegen die Willkür höherer Stellen die Hände gebunden sind.  Ein gesalzener Brief Richraths  an Verkehrsminister Scheuer zu dessen Versäumnissen in der Raststättenplanung wurde nur von der örtlichen CDU kritisch bewertet. Dabei hilft Richrath sein Parteibuch. Denn die „höheren Stellen“ in den Ministerien sind derzeit meist von der CDU besetzt. Die Aufreger „Rheinbrücke“ und „Raststätte“ lenken zudem von Richraths Baustellen ab. Dass er bei Schloss Morsbroich bisher nicht zu greifbaren Lösungen kommt, wird da gerne mal übersehen.

Die Gegner Ihre Machtlosigkeit gegenüber Richraths Überlegenheit haben die Leverkusener Parteien längst erkannt. Bis auf die Wählergemeinschaft Opladen Plus, die Richrath unterstützen will und ihn so noch stärker macht, gibt es keine taktischen Bündnisse bei der Oberbürgermeisterwahl. Nur so ist die große Zahl an Gegenkandidaten zu erklären. Die kleineren Parteien nutzen die Kandidaten als politische Schaufensterpuppen, um Stimmen für die Stadtratswahl zu sammeln. Monika Ballin-Meyer-Ahrens (FDP), Karl Schweiger (Bürgerliste) und vor allem Markus Beisicht (Aufbruch Leverkusen) gelten als Außenseiter. Auch Stefan Baake (Grüne) und Frank Schönberger (CDU) dürften es ohne Unterstützung anderer Parteien äußerst schwer haben, Richrath vom Thron zu stürzen. Sie alle dürfen nun auf noch ungeahnte Fallstricke hoffen, die den Amtsinhaber ins Straucheln bringen könnten.