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Warum ist es am Rhein in Leverkusen so schön?

Leverkusener erzählen : Der Rhein – ein wilder Freund fürs Leben

Der Rhein war immer da. Seit frühen Menschheitstagen zieht er Siedler an. Wer seine Magie begreifen will, muss Leverkusener fragen, die der Strom seit ihrer Kindheit begleitet.

Seit Alters her suchen die Menschen die Nähe zum Rhein. Das Rheindorfer Grabungsgebiet nahe der Wuppermündung ist bekanntlich ein frühes El Dorado für Archäologen. Im 19. Jahrhundert fanden sie dort germanische Brandgräber in großer Zahl.  Frühe Zeugen einer Besiedlung, die allerdings noch viel älter sein dürfte. Denn die beiden jungsteinzeitlichen Steinbeile, die Johannes Gladbach aus Voigtslach Ende  der 1970er Jahre auf seinem Kartoffelacker fand, dürften 7000 Jahre alt sein. Der Voigtslacher vermachte seinen höchst spektakulären Fund dem Hitdorfer Heimatverein. Seither liegen die beiden Fundstücke in einer Schauvitrine im Hitdorfer Heimatmuseum „Thürmchen am Wall“, das in einem alten Trafohäuschen untergebracht ist.

Museumshüter Bernd Bilitzki fühlt sich pudelwohl, nicht nur im Museum mit den vielen Erinnerungstücken, sondern auch am Rhein. Dort ist er aufgewachsen. „Das Wasser hat uns als Kinder schon angezogen“, berichtet er. Im „Meyers Loch“, einem nach einem alten Fährmann benannten Rheinausläufer, hat er Schwimmen gelernt. „Wir sind auch im Hafen geschwommen und auf den Flößen rumgeturnt“, erinnert er sich. Die Flößer, sie haben die Geschichte des Rheinorts so lange geprägt: harte Arbeit, wenig Geld, dem Fluss sind sie dennoch treu geblieben – bis eine neue Zeit sie überflüssig machen sollte.

Bilitzki hat ein eigenes Segelschiff, eine zehn Meter lange Yacht, mit der er in Holland in See sticht. Er kennt die kraftvolle und mitunter grausame Macht des Wassers nur zu gut. An der Nordsee wie am Rhein: „Die Strudel  an den Krippenköpfen sind lebensgefährlich, viele Hitdorfer haben dort schon ihr Leben gelassen, besonders Kinder sind ertrunken.“  Der viel besungene Vater Rhein ist längst nicht immer gütig, er kann auch wild und unberechenbar sein. Zum Schwimmen im Rhein, das Bilitzki als Kind so genossen hat, würde er heute niemandem mehr raten.

Moderner Hochwasserschutz verhindert heute das Schlimmste, doch kaum steigt der Pegel, machen sich die ersten Hochwassertouristen auf den Weg und recken die Handykameras über die Schutzmauern am Hitdorfer Yachthafen. Viele Anwohner kennen das  Schauspiel und bleiben gelassen. Sie haben gelernt, mit dem Fluss zu leben.

Ein Fluss zum Verlieben, möchte man meinen, wenn man Gabriele Pelzer schwärmen hört: „Der Rhein ist mir ans Herz gewachsen, er ist wie ein Freund, der einen durchs Leben begleitet.“ Die 73-Jährige ist in Bürrig aufgewachsen. „Durch die Kämpen ging es zum Rheinufer“, erinnert sie sich an Kindheitstage. Damals haben wir viele Spaziergänge gemacht und die Schiiffe an der Wuppermündung beobachtet. Inzwischen lebt sie auf der anderen Seite in Dormagen, der Wuppermündung ist sie treu geblieben. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des 1996 gegründeten Fördervereins Schiffbrücke Wuppermündung. Der Verein hatte im selben Jahr die völlig verwahrloste Schiffsbrücke übernommen, die noch 1983 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen worden war. Ein seltenes Relikt, denn sie ist eine der letzten Schiffsbrücken in Europa.

Inzwischen sind die drei Schiffe mit den stolzen Namen Einigkeit, Recht und Freiheit durch Fördergelder und viel ehrenamtliches Engagement aufwändig saniert worden und längst wieder in ansehnlichem Zustand. Das dort befindliche Café ist ein beliebtes Ausflugsziel. Auch finden dort regelmäßig Lesungen, Musikabende und Ausstellungen statt. Derzeit macht das Café Winterpause und öffnet wieder am 17. Januar.

„Der Fluss und seine gesamte Geschichte fasziniert mich“, sagt Gabriele Pelzer, die auch in vielen örtlichen Geschichtsvereinen aktiv ist. Germanen, Flößer, Schiffer, Fischer, Fährleute lebten am und vom Rhein, und wie Bernd Bilitzki vom Hitdorfer Heimatverein sagt, manchmal –  wenn das unvermeidliche Hochwasser naht –   auch in ihm.