1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Wanderschäferin aus Leverkusen

Wanderschäferin aus Leverkusen : Aus Liebe zu Tieren und der Natur

Nadine Peifer (41) ist Wanderschäferin. Die Sorge um die Herde beschäftigt sie 24 Stunden am Tag. Immer stärker wirkt die Furcht vor Wölfen, die das Leben ihrer 450 Schafe bedrohen.

Seit einigen Tagen ist sie zurück. Nadine Peifer zieht mit ihrer Herde immer mal wieder durch die Stadt, wenn sie auf dem Weg in die Ohligser Heide ist. Dort weiden die 450 Schafe – hornlose Moorschnucken, die zu den gefährdeten Haustierrassen zählen – sowie einige Ziegen die Heideflächen ab und sorgen für deren Erhalt. Die Tiere sind recht genügsam, ernähren sich gerne von Wildpflanzen wie Kräutern, Pilzen oder Moosen. „Erst fressen sie die Leckerchen, längeres Gras kommt erst später“, beschreibt Nadine Peifer die Ernährungsgewohnheiten ihrer wollenen Schützlinge, die immer dann vom Winterfell befreit werden, wenn es nachts nicht mehr friert. Die 41-Jährige ist eine Wanderschäferin, wurde in Leverkusen geboren, ist in Langenfeld aufgewachsen und wohnt in Leichlingen. Schon seit 2002 übt die Quereinsteigerin ihren Traumberuf aus. „Ich bin sehr naturverbunden“, beschreibt die junge Frau einige Vorteile. „Gerade in Zeiten von Corona kann ich mich den ganzen Tag in der schönen Natur aufhalten, während andere Menschen drinbleiben müssen.“

„Motte“, eine zehn Jahre alte Australian Shepherd-Mischlingshündin, hilft bei der Aufgabe des Hütens. „Sie ist eine sehr motivierte Mitarbeiterin, die immer ein wachsames Auge auf die Schafe hat“, lobt Peifer ihre Begleiterin. Die zweijährige Border-Collie-Hündin „Hexe“ ist erst kurz dabei, hat ihre Eignung als Hütehund aber schon unter Beweis gestellt. „Jetzt muss sie noch lernen, die Schafe auch mal zu zwicken, sonst haben sie keinen Respekt.“

Die Gruppe sorgt überall, wo sie auftaucht, für Aufmerksamkeit. Fast kein Fußgänger oder Radfahrer hält nicht zumindest kurz an und betrachtet die vermeintliche Idylle. Romantiker dürften enttäuscht sein, denn auch in diesem Beruf ist der Fortschritt eingezogen. So setzt die Schäferin in ihrem Weidegebiet zwischen dem Bergischen Land und der holländischen Grenze zum Beispiel auf moderne Fortbewegung. Immer, wenn es der Weg zulässt, fährt sie mit dem Auto bis zum nächsten Stopp, während die Tiere alleine ein Stück weiterlaufen.

Davon abgesehen sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus. Zum einen, weil der Beruf des Schäfers  vor dem Aussterben steht. „Ich bin das ganze Jahr im Einsatz, Schafe kennen weder Wochenende noch Feiertage“, erklärt Peifer dazu. Hinzu kommen vermehrte Probleme angesichts rückläufiger Weide- und Grasflächen. Für die größten Schwierigkeiten sorgt allerdings die Ausbreitung der Wölfe. Unlängst wurden im Westmünsterland und in der Eifel etliche Schafe gerissen. „Dort gab es einen Schäfer, der mehr als 100 Tiere in einer Nacht zu beklagen hatte“, berichtet Peifer. Sie mag gar nicht daran denken, dass auch ihr so etwas passieren könnte. „Die Sorge um die Schafe bleibt immer“, unterstreicht Peifer, während sie die Schafe für die Nacht einpfercht, ehe sie mit dem Pkw nach Hause fährt. „Schließlich arbeiten wir den ganzen Tag mit den Tieren, schauen, dass es ihnen gut geht, dass sie gesund und satt sind. Wir kümmern uns um sie und lieben sie, sonst könnten wir den Beruf nicht ausüben.“

Bisher hatte sie überwiegend Glück. Nur einmal wurde die Schafherde von fremden, nicht angeleinten Hunden gehetzt, so dass Mutterschafe ihre Lämmer verloren.