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Leverkusen: Wahlplakate: Stadt verärgert die Parteien

Leverkusen : Wahlplakate: Stadt verärgert die Parteien

900 Standorte für Wahlwerbung hat die Stadt an zwölf Parteien vergeben. Das Ergebnis empört speziell die CDU.

Hermann-Josef Kentrup, ein alter CDU-Haudegen und von vielen Wahlkämpfen geprägt, will alles hinschmeißen: "Die Standorte, die uns die Stadt zugewiesen hat, sind teilweise erbärmlich. Das macht doch keinen Spaß mehr." Der Manforter musste für seinen Kandidaten Helmut Nowak im Innovationspark ein Porträtplakat aufhängen: an Laterne Nr. 10 der Marie-Curie-Straße. Dieser Ort auf dem ehemaligen Gelände des Stahlwerks Wuppermann zählt zu den einsamsten Stellen Leverkusens. Es gibt hier Brachfläche, Wildblumenwiese, eine Hallenruine, die Eisenbahn Schlebusch-Opladen und in ziemlicher Entfernung einige Büro-und Industriegebäude. Werbung nimmt hier niemand wahr.

Gewundert hat sich auch SPD-Spitzenkandidat Karl Lauterbach über die Leverkusener Wahlwerbemöglichkeiten. In Rheindorf wurden der SPD gerade einmal sechs Plakatstandorte zugeteilt, fast keiner liege in Wohngebieten, kritisierte SPD-Ratsherr Uwe Richrath, der den Professor durch die Stadt begleitete.

Der politische Gegenspieler in Rheindorf, CDU-Ratsherr Andreas Eckloff, rastete in einer Presseerklärung fast aus: "Die Vergabe von Werbeflächen für Parteien ist in Leverkusen unglaubliche Stümperei", mailte Eckloff an die Medien. Er ließ zehn CDU-Plakate hängen, muss aber vier wieder entfernen, weil auch für die CDU in Rheindorf nur sechs Standorte genehmigt sind. Dazu hat Eckloff keine Lust: "Mir ist ein 70-jähriger Wahlhelfer von der Leiter gefallen. Er hat wahnsinniges Glück, nicht tödlich verletzt worden zu sein", klagte Eckloff. "Ein Plakat pro 2600 Bürger in Rheindorf, so kann ich doch keine Wahlkampagne führen." Er fordert eine Plakatstandort-Nachbesserung durch die Stadt.

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Jurist Frank Stein, verantwortlicher Dezernent, betont, alles sei bei der Stadt korrekt verlaufen. Die Politik habe im Stadtrat die gültige Verordnung für Wahlwerbung beschlossen. Den Parteien seien nach ihrer Bedeutung die Zahl der Plakatstandorte zugeteilt worden. "Das machen wir sehr gewissenhaft." Grundlage für die Verteilung der 900 Werbeorte sind unter anderem die Ergebnisse der letzten zwei Bundestagswahlen. Danach stehen CDU und SPD jeweils 155 Standorte zu, FDP, Grüne und Die Linke bekommen jeweils 77, die Piraten 55 und alle weiteren 38 Standorte zugeteilt (Angaben: Stadt). Dabei erhalten die Wahlkämpfer genaue Angaben mit der Laternen-Nummer etc.. Trotzdem will FDP-Kandidat Guido Fischer ein klärendes Gespräch über die Werbeprobleme mit der Stadt führen. Dezernent Stein: "Wir haben bisher keine Beschwerden vorliegen." Während Genosse Richrath eine bessere Verteilung der Werbeorte fordert, sieht SPD-Wahl-Organisator Axel Zens alles entspannt: "Plakate sind doch nicht wahlentscheidend, es kommt darauf an, wie ein Kandidat bei Veranstaltungen wirkt und rüberkommt."

Die Kölner machen es sich einfacher: In der Domstadt darf überall plakatiert werden, solange niemand gefährdet wird. Der Plakatwildwuchs beginnt in Mülheim.

(RP)