„Wagenengel“ für die kommende Session in Leverkusen gesucht

Sicherheit bei den Zügen : „Wagenengel“ für die kommende Session gesucht

Tausende Jecken jubeln den bunten Wagen zu. Karnevalsprinzen überschütten das närrische Volk mit Kamelle. An mögliche Gefahren denkt in diesem Moment kaum jemand. Doch Andreas Beljan kann erst aufatmen, wenn alle Karnevalsumzüge glatt gelaufen sind.

Selbst wenn es noch einige Monate dauert, bis die Narrentrecks in Leverkusen und Umgebung wieder starten, ist der Leverkusener schon seit September mit der Suche nach Verstärkung beschäftigt. Bereits in der 23. Session ist er als Teamleiter zuständig für „Wagenengel“. Ursprünglich hat Beljan seine ehrenamtliche Aufgabe mit acht Teilnehmern begonnen. In der letzten Karnevalssession stellte er bereits 300 Teilnehmer für insgesamt fünf Züge: Hitdorf, Schlebusch, Wiesdorf, Opladen und den Lichterzug in Langenfeld-Reusrath. „Jeder Zug hat seine Besonderheit“, erläutert Beljan. Für die 20 Meter lange Lok, die in Schlebusch mitfährt, reicht es nicht aus, wenn jeweils zwei Wagenengel an jeder Seite mitlaufen, sondern in diesem Fall muss jede Seite durch drei Personen abgesichert sein. Der Prinzenwagen wird sogar von insgesamt zwölf Wagenengeln bewacht.

Der Begriff „Wagenengel“, der ursprünglich aus dem rheinischen Volksmund stammt, wurde längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen. Als „Wagen-
engel“ werden Personen bezeichnet, die Umzugswagen begleiten und die Seiten abschirmen. Ihre Aufgabe ist es zu verhindern, dass Zuschauer beim Einsammeln von Wurfmaterial unter die Räder kommen. Seit ein Wagenengel beim Kölner Rosenmontagszug 2002 tödlich verunglückte und seit der Love Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg wurden die Sicherheitsbestimmungen ständig verschärft. Außerdem haben Zugleitungen, Stadt und Land verbindliche Regeln erlassen, an die sich Wagenengel halten müssen. Dazu gehört das Tragen von Warnwesten, ein absolutes Rauch- und Alkohol- sowie Handyverbot während des Einsatzes.

Als Gegenleistung für den ehrenamtlichen Einsatz von rund eineinhalb Stunden wird ein sogenanntes „Erfrischungsgeld“ in Höhe von 25 Euro gezahlt. Nur wegen des Geldes wird vermutlich niemand diese Aufgabe auf sich nehmen. „Es geht allein um die Pflege des rheinischen Brauchtums“, betont Beljan. Er selber ist schon seit 24 Jahren in der KG Grün-Weiß Schlebusch aktiv und seit elf Jahren als technischer Zugleiter für die Schlebuscher Schul- und Veedelszüge verantwortlich. Interessenten sollten über deutsche Sprachkenntnisse verfügen, müssen körperlich und geistig gesund sein. Weitere Infos: www.wagenengel-leverkusen.de.

Mehr von RP ONLINE