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Leverkusen: Wählen im Wohnzimmer - mit Schnittchen und Umarmung

Leverkusen : Wählen im Wohnzimmer - mit Schnittchen und Umarmung

In Edelrath öffnet Familie Fabrizius ihr Heim zur Wahl.

In Edelrath ist der Bundestagswahl-Sonntag immer ein ganz besonderer Tag. Denn schließlich findet man hier das kleinste Wahllokal Leverkusens. Das befindet sich im Wohnzimmer der Familie Fabrizius in der Neuenhausgasse. Die Möbel werden morgens noch schnell beiseitegeschoben - manches landet in der Küche, manches in der Gartenlaube. "Das letzte Mal hatten wir den Sessel noch hier aber der hat heute komischerweise nicht mehr reingepasst", berichtet Sybille Fabrizius. Deshalb hätte man ihn dann doch noch rausgestellt, ehe um acht Uhr morgens die ersten Wähler eintrudelten. Insgesamt sind 513 Edelrather stimmberechtigt. "Bei uns gibt es immer eine hohe Wahlbeteiligung", erzählt Johannes Peter Fabrizius. Rund 80 Prozent seien immer dabei. Vielleicht liege es ja gerade daran, dass man mit dem "Wohnzimmer-Wahllokal" eine gemütliche Atmosphäre schafft. Denn schließlich kenne man sich im Dorf.

Das merkt man sofort, mit Handschlag und Umarmung werden die Wähler teilweise begrüßt. Viele duzen sich, und der eine oder andere nimmt sich noch ein Schnittchen mit auf den Rückweg. "So viele werden allerdings nicht kommen heute", sagt Nikolaus Gelker, der gemeinsam mit Astrid Burghard als Beisitzer neu im Wahlvorstand dabei ist. 163 Wähler hätten bereits von der Briefwahl Gebrauch gemacht, diese Zahl würde immer weiter steigen. Somit rechnete man am Wahlsonntag mit rund 250 aktiven Wählern. Um 18 Uhr wurde dann durch den Vorsitzenden Andreas Schönfeld die Wahlurne, die mit den Wahlkabinen von der Stadt zu Verfügung gestellt wird, geöffnet, und die fünf Edelrather Nachbarn werteten die Stimmzettel aus. Das dauert maximal eine halbe Stunde, schließlich haben sie eine gewisse Erfahrung bei der Stimmenauslese.

Es ist nicht nur die dritte Bundestagswahl, die im Wohnzimmer der Familie Fabrizius stattfindet. Landtags- und Kommunalwahlen stehen ebenfalls auf dem Programm. Angefangen hätte alles vor zehn Jahren, erinnert sich Johannes Peter Fabrizius. An einem Kegelabend sei die Idee entstanden. Das alte Lokal in Edelrath hätte "dicht" gemacht und die Stadt hätte Ersatz gesucht.

Eine Wahlprognose gab es zwar noch nicht, allerdings ist Fabrizius sicher, dass man in Edelrath hauptsächlich konservativ wähle. Das belegen auch die Zahlen der vergangenen Wahl. 56 Prozent gaben ihre Erststimme Helmut Nowak (in Leverkusen 39,3 Prozent), knapp 50 Prozent ihre Zweitstimme der CDU (35,6 Prozent in Leverkusen).

(RP)