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Vor 60 Jahren war Baubeginn fürs Bayer-Hochhaus

Bayer-Hochhaus : Kurzgeschichte eines Wolkenkratzers

Vor 60 Jahren war im Bayer-Werk Baubeginn für die neue Konzernzentrale, eine weithin sichtbare Landmarke. Heute ist das Hochhaus für 1200 Mitarbeiter längst Geschiche. Als Bayers Arznei-Dauerbrenner das Jahrhundert vollmachte, wurde die Leverkusener Konzernzentrale zum Fotomotiv schlechthin: Das Gebäude wurde 1999 als Aspirinschachtel verhüllt.

Die 360-Grad-Aussicht von ganz oben war ein Traum. Zugegeben, es konnte einem beim Schauen ordentlich der Wind um die Nase blasen in 122 Metern Höhe auf dem Dach des einst höchsten Bürogebäudes Europas, der alten Bayer-Konzernzentrale. Auch untenherum galt der Außenbereich des Hauses als Konkurrent zur zugigen Kölner Domplatte. Bei starken Verwehungen verließen die Mitarbeiter das Haus nicht durch den Haupteingang, sondern durch unterirdische Gänge, um an weniger windiger Stelle ins Freie zu gelangen.

Drinnen wurden auf 29 Etagen jahrzehntelang die Geschicke des Weltkonzerns gelenkt. Der im Frühjahr ausgeschiedene Aufsichtsratschef und früherer Bayer-Boss Werner Wenning wird sich noch gut erinnern, vielleicht auch daran, wie er 1966, als er als Lehrling bei Bayer anfing, ab und an staunend an der Fassade des Hochhauses hochgeblickt haben wird. Das Gebäude kam sechs Jahre vor Wenning. Baubeginn 1960.

Die überdimensionale Aspirinschachtel am Rhein sorgte Ende der 90er Jahre für viel Aufmerksamkeit. Foto: Bayer
Moderne Büros: Im Hochhaus hatten auf 29 Etagen Büros Platz, Oberirdisch gab es noch zwei Technik-Etagen. Foto: Bayer

Der Japanische Garten wurde ein paar hundert Meter verlegt, um Platz zu haben für das Bauwerk, das die altehrwürdige Konzernzentrale im Gebäude Q 26 ersetzen sollte. Beiden gemein: Im Eingangsbereich gab es viel Marmor. In Q 26 mit rötlichem Stein, im Hochhaus in grün.

Orangefarbene Bestuhlung vor grünlichem Marmor: das Foyer. Foto: Bayer
2012: Der Kran ist positioniert. Die Demontage der Konzernzentrale beginnt wenig später. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Und jener grünlicher Marmor rund um die Aufzüge im Foyer hat bis zuletzt standgehalten. Als der Bagger 2012 zur Demontage ansetzte und Beton abknabberte, standen die Marmorplatten im Foyer aufrecht wie grüne Felsen in staubiger Brandung.

Von Abriss keine Rede: Ab 1960 wurde das Hochhaus gebaut. 1963 wurde es fertig. Foto: Bayer
Mit dem damaligen Leiter der Bayer-Gastronomie, Axel Fischer, plauderten RP-Redakteure 2008 auf dem Roten Sofa auf dem Hochhausdach. Foto: Halberstadt, Karl-Heinz (hal)/Halberstadt, Karl-Heinz (kallel)

Zwischen Baubeginn 1960 und Demontagestart 2012 liegt Konzerngeschichte. Die neue Zentrale war ein Geschenk, denn W 1, wie das Hochhaus als Gebäude im damaligen Bayerwerk hieß, wurde zum 100. Konzerngeburtstag 1963 fertig. In seinem Jubiläumsbuch „Meilensteine“ zum 125-jährigen Konzernbestehen schreibt Bayer: „Es hat 31 Obergeschosse, ein Erdgeschoß und drei Kellergeschosse, ist 122,12 Meter hoch, hat einen umbauten Raum von 171.735 cbm und bietet Arbeitsplätze für 1200 Mitarbeiter.“

Industriekletterer arbeiteten an der Medienfassade. Foto: Miserius, Uwe (mise)/Miserius, Uwe (umi)

 Apropos 100. Geburtstag. Als Bayers Arznei-Dauerbrenner das Jahrhundert vollmachte, wurde die Leverkusener Konzernzentrale zum Fotomotiv schlechthin: Das Gebäude wurde 1999 als Aspirinschachtel verhüllt,

Zwei Jahre später suchte Wenning im Hochhaus Wege aus der Lipobay-Krise, nachdem Todesfälle in Zusammenhang mit dem Medikament bekannt geworden waren. Fünf Jahre später war die Bayer-Konzernzentrale längst nach nebenan in das neue glasummantelte Gebäude umgezogen, dem Hochhaus drohte der Abriss. Bis die Idee aufkam, daraus eine beeindruckende Medienfassade zu machen. Es scheiterte an technischen Problemen. Die Demontage kam.

Von den überirdischen Etagen ist nichts mehr zu sehen, bis auf eine Rotunde auf der Wiese – der Eingang zum Keller. Und der Blick von dort? Ist immer noch schön. Zwar nicht mehr weitreichend, dafür aber geht er ins grüne Herz des Chemparks – in den Japanischen Garten.