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Leverkusen: Von Schicksalsschlägen, Kreuzfahrern, coolen Eltern

Leverkusen : Von Schicksalsschlägen, Kreuzfahrern, coolen Eltern

Wäre dieser Spruch nicht so abgedroschen, man könnte glatt sagen: Er kam, sah und siegte. Wladimir Kaminer, Erfolgsautor russischer Herkunft, wurde vom Publikum fast wie ein Star gefeiert, als er zur Lesung in der Reihe Museum Litterale - dem von Manfred Gottschalk in Zusammenarbeit mit Museum Morsbroich und KulturStadtLev entwickelten Format - in den Spiegelsaal von Schloss Morsbroich kam. Er habe vier Jahre benötigt, um Kaminer endlich zu sich zu holen, berichtete Gottschalk am Mittwoch vor vollem Haus. Er sei schon mehrmals in der Rheinstadt gewesen, antwortete Kaminer, aber nun zum ersten Mal in solch einem Ambiente.

Außer seinem aktuellen Bestseller "Ausgerechnet Deutschland" hatte er auch sein letztes Buch "Coole Eltern leben länger" mitgebracht. Die Lesung wurde zum Erlebnis, während er ebenso heiter und amüsant, ja fast schon übersprudelnd, einige Begebenheiten mit rollendem R vortrug. "Ich könnte ihm den ganzen Tag zuhören", bemerkte eine Besucherin.

Mit Humor und Charme beschrieb Kaminer in "Ausgerechnet Deutschland" zahlreiche Kurz- und Alltagsgeschichten über Flüchtlinge und das Aufeinandertreffen der Kulturen. Er berichtete von Syrern, die bei einer Theateraufführung voll integriert mitspielen sollten - allerdings ohne Text. Oder von Syrern, die mit Einheimischen kochten, als ein einfältiger Nachbar meinte, sie würden vor lauter Speisen nicht mehr ins Boot passen, wenn der Krieg zu Ende sei und alle wieder nach Hause zurückmüssten. "Eigentlich eine traurige Geschichte", fasste Kaminer zusammen, der seine eigene Flucht und die seiner Vorfahren gleich mit einarbeitete.

"Obwohl man meine eigene Flucht nicht vergleichen kann mit den Flüchtlingen von heute", sagte Kaminer, der einer jüdischen Familie entstammt. Gemäß alter Schriften hätten seine Vorfahren - sie übten Berufe als Kaminbauer aus, daher der Name Kaminer - nach ihrem Auszug aus Ägypten 40 Jahre gebraucht, um ihrem Volk einen neuen Lebensentwurf nahezubringen. Es werde bestimmt eine Ewigkeit dauern, die heutigen Flüchtlinge zu Europäern umzuerziehen, meinten viele Deutsche. Die Menschen seien nicht alle gleich, entgegneten die Anderen. Jeder habe sein eigenes Schicksal.

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Ehe Wladimir Kaminer auf Bitten des Publikums mit "Coole Eltern" anfing, verriet der Autor noch, dass seine nächste Publikation im August erscheint und von Kreuzfahrern handelt. "Das ist mein 25. Buch und wird eine grandiose Geschichte", bewarb Kaminer sein neues Werk schon einmal lachend. Ein Teil des Buches ist bereits geschrieben. Nach der Pause kamen die Zuhörer in den ersten exklusiven Genuss der neuen Zeilen.

(gkf)