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Leverkusen: Von New York bis Mittelerde

Leverkusen : Von New York bis Mittelerde

Technisch äußerst anspruchsvoll und musikalisch höchst unterhaltsam gestaltete das Sinfonische Blasorchester der Musikschule eine mitreißende Sonntagsmatinee.

Vorhang auf, und Bühne frei für einen ersten Blick über Manhattan. Bilder wurden zwar nicht gezeigt, dafür entführte das Sinfonische Blasorchester der Musikschule seine Zuhörer am Sonntagmorgen mit ausgesprochen bildhafter Musik in die faszinierende US-Metropole. Wer die Augen schloss und der Fantasie freien Lauf ließ mochte geradezu einen kleinen Film über die bekannten Stadtteile und Sehenswürdigkeiten im Kopf haben: die pulsierende 5th Avenue, die niemals schläft, den ruhigen Battery Park, die von getragenem Choral erfüllte St. Patrick's Church, Harlem mit einem Hauch von Jazz und schnipsenden Fingern, die Weite des Central Parks, wo die städtische Geschäftigkeit ganz in den Hintergrund gerät, oder den Broadway als Heimat von Show und Musical mit temporeichem Sound.

Das alles und noch viel mehr steckt in der ausladenden New York Ouvertüre von Kees Vlak, mit der die rund 60 Holz- und Blechbläser gleich zu Beginn ihre Visitenkarte abgaben. Unter der Leitung von Thomas Klöckner hat sich da über die Jahre ein Ensemble entwickelt, das nicht nur wegen seiner Größe bemerkenswert ist. Die fortgeschrittenen Instrumentalschüler, etliche davon sind Erwachsene, musizieren auf einem bemerkenswerten Niveau, das sicher über dem Standard einer Musikschule liegt. Satten Klang entwickelten sie in der Opladener Festhalle, deren Größe für eine Aufführung gerade passend ist, aber deren Akustik den Ausführenden wirklich nichts schenkt. Der vergleichsweise kräftige Bläserklang hilft natürlich an den Tutti-Stellen, aber bei leisen Passagen oder Solo-Parts ist eine gute Spannung notwendig, um den Bogen nicht abreißen zu lassen. Das gelang den Instrumentalisten ebenso wie präzise Rhythmik und das schnelle Umschalten im Ausdruck, was auch im weiteren Programm erforderlich war. Bei den relativ kurzen Vorstellungen mehrerer Figuren aus Tolkiens Roman-Klassiker Herr der Ringe, die Johan de Meil in einer Konzertsuite "The Lord of the rings" musikalisch beschrieben hat. Die kleinen Charakterstückchen sind so unterschiedlich angelegt wie die Protagonisten. Eine Wikinger-Geschichte "erzählte" das Blasorchester, und dank der vorher vorgetragenen Inhaltsangabe konnten die Zuhörer der vor drei Jahren uraufgeführten Fantasie "A Viking's Tale" von Kevin Houben ihren eigenen Film dazu im Kopf ablaufen lassen. Der mystische Beginn vermittelt eine andere, fremde und längst vergangene Welt, in der es dann mitunter hart zugeht, wenn die Wikinger mordend und plündernd durch die Lande ziehen. In realere Gegenden versetzte das Orchester mit einem achtminütigen Ausflug zu "Lord Tullamore", ein mitreißendes, technisch anspruchsvolles Stück, in dem Carl Wittrock die Facetten irischer Folklore verarbeitet hat. In "Paris Montmartre" endete die in New York begonnene Musik-Reise mit einem Medley, das vom französischen Chanson inspiriert ist.

(mkl)