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Leverkusen: Von Heimweh und Hoffnung

Leverkusen : Von Heimweh und Hoffnung

Eine Ausstellung in der Forum-Galerie beschäftigt sich mit jüdischem Leben.

Es ist nun über 70 Jahre her, da das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde. Zum Gedenken an die vielen Opfer des Holocaust wurde vor einigen Jahren der 27. Januar auserkoren. Seit dem vergangenen Freitag beschäftigt sich eine Ausstellung in der Galarie des Forums mit dem Leben der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

Bis zum 20. Februar ist es möglich, die Text- und Bildtafeln, die sich mit sechs unterschiedlichen Bereichen des jüdischen Lebens beschäftigen, zu sehen, zu lesen und zu verstehen. Rund 40 Gäste waren bereits am Vorabend der Eröffnung gekommen. Darunter Bürgermeister Bernhard Marewski.

In seiner Rede betonte er, auch in der Stadt habe es Menschen aus ihrem Zuhause gerissen. Sie flohen - nach Argentinien oder Israel zum Beispiel. So werde berichtet, Philipp Herz, der nach Argentinien ging, habe in der Zeit in Südamerika großes Heimweh nach Hitdorf verspürt.

In Leverkusen gebe es seit 20 Jahren wieder eine jüdische Gemeinschaft. In der Villa Römer in Opladen stelle sich Familie Ismikhanov vom Verein Davidstern vor. "Dieses Vertrauen an Leverkusen als einen Ort, der aus der Vergangenheit gelernt hat, dürfen wir nicht enttäuschen", sagte Marewski.

Musikalische hatte das siebenköpfige Cello-Ensemble der Musikschule die Gäste mit gefühlvollem, jiddischem Liedgut verzückt. Seit Jahren bereits sind eben jene Werke sehr beliebt in der hiesigen Musikschule.

Zusammengetragen wurden die rund 20 Tafeln durch Historiker Thomas Ridder. Er arbeitet als Kurator im jüdischen Museum in Dorsten. "Ich habe einen anderen Ansatz gewählt", erzählte er. Schließlich dächten viele bei einer solchen Ausstellung schnell an die NS-Zeit. Die sei selbstredend auch Thema, aber nicht nur. "In den 100 Jahren des 20. Jahrhunderts gab es drei Zuwanderungsphasen, zwei davon nach 1945", betonte Ridder.

In seiner langen, sehr ausführlichen und informativen Rede, zitierte der 60-Jährige einen Bericht, der bereits recht weit nach dem Krieg in einer jüdisch-russischen Zeitung zu lesen gewesen war. Dort habe es geheißen, das Gedächtnis sei etwas wirklich merkwürdiges. "Es hält fest, was sich nicht lohnt - und vergisst das, was es nicht vergessen sollte."

Damit genau dieses eben nicht geschieht, werden Mahnmale eingerichtet. Ridder sind diese allerdings lange zu allgemein gewesen. In den 1980er-Jahren seien die Tafeln in ihrer Inschrift dann deutlicher geworden. "1988 fand hierbei ein Umdenken statt.", sagte der Historiker. Nun benennen die Tafeln klar, was an eben jenem Ort, über den sie referieren, geschah.

(brü)