Volksbühne Brgisch Neukirchen spielt "Schneeweißchen und Rosenrot"

Kindertheater : Weihnachtsmärchen - nostalgisch und witzig

Die Volksbühne Bergisch Neukirchen absolvierte ihre Generalprobe für die Inszenierung von „Schneeweißchen und Rosenrot“.

Der Vorhang geht auf und schon sind alle mittendrin im märchenhaften Zauberwald, wo zwischen Tannen und winterlich kahlen Bäumen die zarten Elfen ihren Reigen tanzen. Fernab von den Menschen, denen sie sich nicht zeigen und vor denen sie sich mehr fürchten als vor den eher rüpelhaften Waldbewohnern, die zu deftigen Sprüchen gerne ihre dicken Keulen schwingen. Diese Mischung aus Faszination, Nostalgie und witzigen Dialogen zieht sich durch die ganze zweistündige Aufführung des diesjährigen Weihnachtsmärchens der Volksbühne Bergisch Neukirchen: „Schneeweißchen und Rosenrot“. Im Frühjahr wurde mit Planung, Proben und Kulissenbau begonnen.

In den letzten Wochentagen waren die Kinder und Jugendlichen fast täglich zusammen, um Sicherheit auf der Festhallen-Bühne zu gewinnen und der Produktion den Feinschliff zu geben. Bei der Generalprobe wurden erstmals die Publikumsreaktionen getestet, denn da saßen - wie bei der großen Theater-Familie üblich - bereits neugierige Eltern, Großeltern und Geschwister im Saal.

Am 24. November ist Premiere, und bis zum dritten Advent wird das Stück, das Dana Fischer nach dem Märchen der Gebrüder Grimm passend für die Kindertheater-Truppe des Vereins umgeschrieben und ausgeweitet hat, elf Mal gespielt.

31 Mitwirkende stehen auf der Bühne, das sind natürlich viel mehr als die Kernbesetzung des Originals. Wie bei der Volksbühne Bergisch Neukirchen üblich dürfen schon die Kleinsten mitmachen und in stummen Tierrollen erste Theatererfahrung sammeln, um von Jahr zu Jahr mehr Verantwortung zu übernehmen. Der Jüngste ist dieses Jahr Frederik Hennecke und gerade vier geworden, die älteste Darstellerin ist mit fast 18 Jana Leichter in der Rolle einer tratschenden Nachbarin.

Nicht nur die Schauspieler sind allmählich mit ihren Rollen gewachsen, auch die beiden Regisseure, die hier ihr gemeinsames Debüt hinlegten, sind im Weihnachtsmärchen groß geworden und haben 2004 selbst auf der Bühne gestanden, als dieses Märchen in etwas veränderter Form zuletzt auf dem Programm stand.

Daran haben sich Adrian Abtahi und Lukas Mager bei der aktuellen Inszenierung gerne erinnert und auf heute gängige technische Projektionen verzichtet. Stattdessen rieselt wie damals tatsächlich (Theater-)Schnee vom dunklen Bühnenhimmel. Und der gefiederte Adler, der zum guten Schluss hilft, dem bösen Zwerg PiffPaff (wundervoll frisch und frech gespielt von Clara Fischer) das Handwerk zu legen, schwingt sich wirklich - vom Seil gehalten - herab.

Julia Mager und Kimberley Weiss als Schneeweißchen und Rosenrot sind gestandene Schauspielerinnen mit deutlicher Aussprache, ebenso die Prinzen Alexander Mager und Matthis Färber, der allerdings erst zum Schluss seinen großen Auftritt in vollem Ornat hat. Er ist bekanntlich von PiffPaff verzaubert worden und läuft die längste Zeit als Bär herum. In diesem schönen Kostüm steckt Arne Mayer, der allerdings nicht mit den Menschen sprechen darf, weil er sonst nie von seinem Zauber erlöst werden darf.

Am Ende wird alles Gut und das Böse besiegt, so wie es Brauch ist im Märchen. Aber bis dahin gibt es durchaus spannende Momente und kleine Schrecksekunden, wenn sich der Zwerg in den Bart greift, mit den Füßen aufstampft und mit seinem Zauberspruch „PiffPaff“ ein kurzes aber herftiges Gewitter auslöst. Aber es gibt auch genügend witzige Szenen mit markigen Sprüchen leicht beschränkter Trolle, deren markig fluchenden Wortführer Martin Leichter spielt, und pfiffiger Elfen, die von Luna (Lea Schleimer) angeführt werden.

Nicht alle Pointen zielen auf das kleine Publikum, auch für die Erwachsenen ist mancher Spaß gedacht. Man darf vom Tanz der Elfen mit ihren zarten Glitzerflügeln hingerissen sein. Das liebevoll gestaltete Bühnenbild mit Zauberwald und ärmlicher Hütte, der Einsatz von Blitz, Schnee und Nebel, sowie die wunderschönen Kostüme verzaubern ohnehin alle.