Neue Produktion: „Theater im Blut“ Einblick in die Geschichte der Volksbühne

Leverkusen · In einem selbst geschriebenen Musical erinnern Sänger, Tänzer und Schauspieler an vergangene Produktionen.

 Einen Streifzug durch die Geschichte des Ensembles gibt es bei der Vorstellung von „Theater im Blut“.

Einen Streifzug durch die Geschichte des Ensembles gibt es bei der Vorstellung von „Theater im Blut“.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

„Premierenfieber ist aufregend schön“ singen die Stimmen noch bei geschlossenem Vorhang aus der deutschen Version von Cole Porters „Kiss me Kate“. Die Mitwirkenden treten dieses Mal nicht aus den Kulissen auf, sondern bahnen sich singend und swingend den Weg durch den Saal, durch den bei der aktuellen Produktion ausnahmsweise kein bewunderndes Raunen geht, als sich der Vorhang öffnet.

Es gibt nämlich kein aufwendiges Bühnenbild, mit dem die Volksbühne Bergisch Neukirchen ihr Publikum normalerweise optisch verzaubert. Das Musical „Theater im Blut“ spielt nämlich Backstage, mitten im Kostüm und Requisitenlager eines Theatervereins, das dringend aufgeräumt und entrümpelt werden muss. Aber was soll in die Tonne und was muss gereinigt und sortiert werden? Der langjährige Bühnenmeister Karl (Ralph Maisel) kann sich schwer trennen, weil das kleinste Teil Erinnerungen freisetzt, Erinnerungen an vergangene Zeiten, an so viele Produktionen und Theaterabende, die er miterlebt hat.

Tatsächlich ist es die Geschichte der Volksbühne Bergisch Neukirchen, die Mitglied Birgit Celik dieser Besetzung ins Drehbuch geschrieben hat. Gemeinsam mit Karl, der eigentlich lieber selber auf der Bühne singen und spielen wollte als dahinter für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen, setzt er sich an den Flügel und stimmt melancholisch die ein oder andere Melodie an. Er singt selber und lässt singen und tanzen.

In seinen Händen beschwören die Requisiten noch einmal jene unvergesslichen Momente herauf. Solisten (David Naser, Michael Färber, Karl-Heinz Leweke, Tanja Ellrich, Polly Olszak, Mona Weber), Chor und Ballett treten auf und singen in den entsprechenden Kostümen Nummern aus Operette, Oper und Musical. Das Stammpublikum wird sich dabei ebenfalls erinnern und für alle anderen ist es ein abwechslungsreicher Querschnitt durch verschiedene Genres und Entstehungszeiten. Für die Live-Musik aus dem Orchestergraben sorgt eine erfrischende kleine Combo mit Keyboard, Gitarre, Violine, Kontrabass, Klarinette und Schlagzeug.

Aber das ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Solostimmen besser rüberkommen ohne zu forcieren. Der Verein hat Headsets angeschafft, so dass die Tontechnik am Mischpult fein abstimmen kann. Damit hat die Volksbühne Bergisch Neukirchen auf mehrfach geübte Kritik reagiert und eine hörbare Verbesserung geschaffen. Musik überwiegt im Musical, aber sie ist nicht alles, wie schon der Titel „Theater im Blut“ ahnen lässt.

Die Rahmenhandlung lässt natürlich genügend Spielraum, Figuren zu entwickeln, komische Momente (handfeste Möbelpacker: Georgios Politis, Matthias Kramer) sowie eine Liebesgeschichte (Anna Feldhoff, Adrian Abtahi) einzuflechten. Die Faszination Theater verbindet alle in der großen Familie des Vereins, der sich über Nachwuchssorgen keine Gedanken machen muss. Denn wie diejenigen, die jetzt auf der Bühne agieren, wachsen auch ihre Kinder und Enkel mit allen Facetten des Theaters auf. Im Advent sind wieder die Kleineren und Kleinsten ab drei Jahre dran in den Vorstellungen des Weihnachtsmärchens: Die Bremer Stadtmusikanten.