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Leverkusen: Vodafone-Betrug: Leverkusener angeklagt

Leverkusen : Vodafone-Betrug: Leverkusener angeklagt

Unter anderem in einem Telefonshop am Wiesdorfer Platz sollen reihenweise fingierte Verträge abgeschlossen worden sein.

Der Schaden beläuft sich vermutlich auf nahezu eine Million Euro: Jetzt müssen fünf Beschuldigte, die mit Hilfe von fingierten Kundenverträgen die Firma Vodafone betrogen haben sollen, vor Gericht. Wie der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mitteilte, liegt seit Januar diesen Jahres eine entsprechende Anklage beim Landgericht vor. Einen Prozesstermin gibt es aber noch nicht, hieß es dort.

Zwei der Männer, die sich demnächst vor der 15. Großen Strafkammer verantworten müssen, stammen aus Leverkusen. Dort, genauer gesagt in einem Telefonshop am Wiesdorfer Platz, befand sich nach Auskunft der Polizei auch der Dreh- und Angelpunkt des groß angelegten Betruges.

Die Masche der Bande war dabei immer die gleiche: Hunderte fingierte Handyverträge sollen in dem Wiesdorfer Geschäft, das als Telefon-Premiumshop geführt wurde und inzwischen so nicht mehr existiert, abgeschlossen worden sein. Bereits im Dezember 2011 hatte die Polizei in Köln, Leverkusen und weiteren Städten in NRW mehrere Objekte durchsucht. Doch es dauerte mehr als ein weiteres Jahr, bis der Fall "gerichtsreif" wurde. Die Polizei hatte das schon damals geahnt und von einem "umfangreichen, komplexen Verfahren" gesprochen — ein Verfahren, in das unverschuldet auch der Leverkusener Ralf Kleber verwickelt worden ist.

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Der 43-jährige Rheindorfer, Einkaufsleiter eines Maschinenbaubetriebs, hatte im Telefonshop einen DSL-Anschluss von Vodafone für seine Privatadresse beantragt. Wenig später erhielt er eine schriftliche Absage mit der Begründung: "Leider sind die technischen Voraussetzungen für einen DSL-Anschluss an Ihrem Wohnort nicht gegeben."

Sieben Monate später erhielt Kleber dann doch etwas, aber das war ein Schreiben einer Anwaltskanzlei mit der Ankündigung, ein gesetzliches Mahnverfahren gegen ihn einzuleiten, falls er nicht der "hiermit letztmalig" geäußerten Aufforderung nachkomme, eine "Gesamtforderung in Höhe von 3722,88 Euro" für seinen Handyvertrag zu begleichen.

Kleber war fassungslos, denn ein Handy hatte er nie gekauft, infolgedessen auch keine Rechnung erhalten. Aus dem Schreiben, das an seine Eltern gegangen war, ergab sich aber, dass Inkasso-Unternehmen über ihn sogar schon eine Schufa-Anfrage gestellt hatten.

Kleber stellte Strafanzeige — und erlebte danach eine Odyssee mit Behörden und Rechtsanwälten, deren Korrespondenz dicke Ordner füllt. "Ich bin in all diesen Monaten so oft mit Allgemeinplätzen abgespeist worden, habe Informationen nicht oder fehlerhaft erhalten", sagt Kleber: "Ich musste mir jedes kleine Zugeständnis, dass ich im Recht bin, hart erkämpfen."

Seine eigene Strafanzeige — das hat den Rheindorfer nicht überrascht — ist im Sande verlaufen. "Das Verfahren ist eingestellt", sagt er. Deshalb wird er wohl auch den Strafprozess gegen die fünf Angeklagten, die zurzeit alle noch auf freiem Fuß sind, nicht besuchen.

"Ich wollte erreichen, dass Datenmissbrauch wie in meinem Fall nicht mehr vorkommen kann", sagt Kleber. Das sei ihm nicht gelungen. "Keiner hat sich wirklich dafür interessiert — nicht einmal der Bundesdatenschutzbeauftragte."

Und so werde es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis dass der nächste unbescholtene Bürger Post von einem Inkasso-Anwalt bekommt, "weil seine Daten von Betrügern missbraucht werden konnten".

(RP/rl)