Leverkusen: Villa Hügel - zu Besuch beim Patriarchen

Leverkusen: Villa Hügel - zu Besuch beim Patriarchen

Wer begreifen will, was Krupp für Essen war, muss den Stammsitz der Familie über der Ruhr gesehen haben. Die Villa selbst ist einen ausgedehnten Besuch wert, aber auch der Park und die Ausstellungen rechtfertigen eine Kurzreise.

Immer wieder ist die Villa Hügel Ort für ganz besondere Ausstellungen oder Konzerte. Derzeit ist "nur" die Historische Ausstellung Krupp im Nebengebäude zu besichtigen, der Park und natürlich das Haupthaus. Damit sind interessierte Besucher allerdings stundenlang beschäftigt: Die über dem Ruhrtal in Essen gelegene Villa Hügel war von 1873 bis 1945 Wohnhaus der Familie Krupp und als wichtiger Repräsentationsort ein Teil ihres Unternehmens. Sie verfügt über 269 Räume und liegt in einem 28 Hektar großen Park.

Im Park stehen Baumexoten, die per Schiff und mit Pferdefuhrwerken aus aller Welt nach Essen geholt wurden. Im Park gibt es das Spatzenhaus - das Spielhaus der Töchter, eine Statue des Hauherrn und natürlich eine traumhafte Sicht ins Ruhrtal. Das Wohnhaus ist beeindruckend. Die Haustechnik war für damalige Verhältnisse supermodern: Warmwasserheizung, eine von Krupp erfundene Warmluftheizung, quasi ein Vorläufer der Klimaanlage, und noch später, ab 1914, eine Dampf-Fernwärmeheizung auf dem Hügel. Es gab erst Gas- dann elektrisches Licht, erst eine Telegrafen-, dann einen Telefonanlage. Ein hydraulischer Lift, das Automobil und die ersten Filmprojektoren fanden schon bald nach ihrer Erfindung den Weg in die Villa.

Die Gasträume für den Kaiser können noch heute bewundert werden. Sie sind mit goldenen Armaturen und vielem Sehenswerten mehr ausgestattet. Eine Hausführung lohnt sich auf jeden Fall.

Seit 1953 finden in der Villa Hügel Wechselausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen statt. Zudem beherbergt sie mit dem Historischen Archiv Krupp eines der umfangreichsten und ältesten Wirtschaftsarchive Deutschlands. Eine Dauerausstellung informiert über die Familien- und Firmengeschichte. 1984 gründete Berthold Beitz - bis zu seinem Tod 2013 Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung - die Kulturstiftung Ruhr mit Sitz in der Villa Hügel. Ihr Auftrag: "Dem kulturellen Leben im Ruhrgebiet neue Impulse zu geben". Für ihre vielbeachteten, internationalen Ausstellungen wählt sie kunst- und kulturhistorische Themen. Heute ist die im ehemaligen Gästehaus ansässige, gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Eigentümerin des gesamten Hügel-Areals. Im Jahr 1968 nahm sie ihre umfangreiche und vielfältige Fördertätigkeit auf.

Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ermöglicht sie ab Mitte 2018 die große Josef Albers-Retrospektive, kuratiert von Heinz Liesbrock. Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation mit dem Josef Albers Museum Quadrat Bottrop.

Villa Hügel, Hügel 1, 45133 Essen-Bredeney, 0201188-4823, www.villahuegel.de, Öffnungszeiten Mo. bis So. 8 -20 Uhr, www.villahuegel.de

(ilpl)