Leverkusen: Viereinhalb Stunden warten beim Amt

Leverkusen: Viereinhalb Stunden warten beim Amt

In der Zulassungsstelle brauchen Bürger Geduld. Grund: Personalmangel. Wer erst um 8.30 kommt, kann wieder gehen.

Wer sein Auto neu zulassen, umschreiben oder den Halter in den Papieren wechseln möchte, muss zur Zulassungsstelle in die Haus-Vorster-Straße. Wer das in nächster Zeit plant, sollte neben den nötigen Unterlagen unbedingt viel Geduld mitbringen. Aktuell beträgt die Wartezeit mindestens viereinhalb Stunden. Tatsächlich dürfte es mehr sein. Das liegt vor allem an massiven Personalproblemen.

"Zum Jahreswechsel hörten einige Mitarbeiter auf. Die Grippewelle verschärfte die Situation", erläutert Friedhelm Laufs, Leiter des Straßenverkehrsamtes, einige Gründe. Normaler Betrieb sei vorerst nicht möglich, die angespannte Situation ende frühestens im Mai.

Foto: Miserius Uwe

Seit 1. April gebe es eine neue Mitarbeiterin, sie müsse noch eingearbeitet werden. Das gelte ebenso für zwei neue Kolleginnen, die im Juni kämen. Eine dritte Frau sei bereits ausgebildet. "Die Perspektive verändert sich aber schnell", versichert Laufs mit Blick auf langfristige Umstellungen.

Das hilft den Kunden aktuell nicht. Der Warteraum ist voller Menschen. Ein Mann, 52, aus Steinbüchel raucht vor der Tür. Seit 7.30 Uhr ist er im Amt. Die Wartemarke mit der Nummer 21 zeigt: Er ist nicht der Erste. Sondern eine Frau, die sich bereits um 6.30 Uhr vor die Tür gestellt hat. Wer nach 8.30 Uhr kommt, kann gleich wieder umkehren. Um diese Zeit sind alle 60 Wartemarken vergeben.

Monika Eggering aus Schlebusch ist sauer. Noch am Vortag hat sie angerufen. Es hieß, sie könne bis 11 Uhr kommen. Dennoch ist sie früh zur Stelle. Und zieht um 8 Uhr die Nummer 58. Die verlorene Arbeitszeit muss die Steuerberaterin nachholen. Noch viel ärgerlicher ist, dass der Hund so lange alleine bleiben muss. "Das ist er nicht gewohnt", stöhnt sie. Am Schalter sagt man ihr, es handele sich um eine Ausnahmesituation. Ein Mann hört mit und widerspricht: "Das ist schon seit vielen Jahren so."

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Turgay Demirkol, 53, aus Wiesdorf, ist ebenfalls zeitig unterwegs. "Ich bin froh, dass ich überhaupt noch drankomme", sagt der Chempark-Mitarbeiter. "Die Schaltermitarbeiter können nichts dafür. Der Oberbürgermeister muss dringend etwas ändern", fordert er. Auch im Bürgerbüro komme es zu langen Wartezeiten. Erst in der Vorwoche stand er in der Schlange, um seinen Pass zu verlängern.

Aytac Kazakoglu aus Wiesdorf hält den Zettel mit der Nummer 28 in der Hand. Der Filialleiter eines Bekleidungsgeschäftes in Mönchengladbach sagt: "Dieser Zustand ist einfach nur peinlich. Die Verwaltung weiß doch, wann Stellen neu besetzt werden müssen. Sie muss dafür sorgen, dass das Problem schnell gelöst wird." Gerade sucht die Stadt nach ausgebildeten Verwaltungsmitarbeitern für Publikumsbereiche wie Zulassungsstelle oder Bürgerbüro. Bewerber zu finden, fällt schwer.

Andere Probleme gibt es an diesem Tag nicht. Zum Glück. Ein Mann vom Sicherheitsdienst passt auf, dass die Frauen am Schalter in Ruhe arbeiten können, ohne Aggressionen der Wartenden ausgesetzt zu sein. "Bis jetzt habe ich nur verbale Attacken erlebt", beschreibt er.

Laufs erläutert bevorstehende Neuerungen: "Wir arbeiten schon länger daran, den Kundenservice bedarfsgerecht zu gestalten. Ziel ist, dass wir uns digital so aufstellen, dass Bürger nur noch kurze Aufenthalte in der Zulassungsstelle haben."

Ab Jahresende sollen Händler, für die seit Februar ein eigener Schalter eingerichtet ist, vom neuen System profitieren. Aktuell können sie ihre Unterlagen abgeben und ab 12 Uhr wieder abholen. Voraussichtlich drei Monate nach Einführung können Privatleute ihre Fahrzeuge online zulassen/ummelden.

(gkf)
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