Leverkusen: Vielfältige Straßenkunst in Sand, Bild und Ton

Leverkusen : Vielfältige Straßenkunst in Sand, Bild und Ton

Die Zeiten laufen wenig gut für Straßenkünstler, die bisher in Köln und Düsseldorf bei Passanten Euros sammelten. Deshalb versuchen es die Sandskulpteure und lebenden Statuen vermehrt in Leverkusen.

Der Dauerbettler in Opladen gehört seit Jahren quasi zum Inventar. Er sitzt wochentags an der Ecke Fußgängerzone/Birkenbergstraße, macht durch sein betontes "Guten Tag" auf sich und seine Sammelschale aufmerksam. Inzwischen verstärkt sich für ihn die Konkurrenz, die offenbar aus den Metropolen Köln und Düsseldorf nach Leverkusen ausweicht, um hier leichter an die Euros der Passanten zu kommen.

Öfter zu sehen - neben den Musikern: die lebenden Statuen in Silber oder tiefem Schwarz, die erst aus ihrer Bewegungslosigkeit erwachen, wenn eine Spende im Hut landet. Dieser blitzschnelle Wechsel von Starre in Aktion erschreckt allerdings oft kleinere Kinder enorm. Ist aber nicht böse gemeint: Die plötzlich hingehaltene Hand oder der Gruß dienen der Unterhaltung. Eher selten dabei: Der Sandskulpteur, der an der Ecke Bahnhofstraße/Kölner Straße auf einer Plastikplane einen schlafenden Hund formte.

Wer ist nun der Mann mit dem Hund? An eine Hauswand gelehnt an der Ecke Bahnhofstraße/Fußgängerzone Kölner Straße hat der neue Straßenkünstler sein Publikum gefunden. Seine Hunde-Skulpturen formt Mario Dagicu aus Rumänien nicht nur aus Sand. Menschen und Tiere gelingen dem gelernten Elektriker und Hobbykünstler auch aus Papier und anderen formbaren Materialien. Der Autodidakt versteht sein Handwerk. Auf einer Folie breitet er mitgebrachten Sand aus, mischt ihn mit Wasser und formt aus dem Gedächtnis einen liegenden Hund. Das dauert etwa eine Stunde, dann liegt sein täuschend echter Sandhund in der Opladener Fußgängerzone in der Sonne. Die Passanten bestaunen die vergängliche Skulptur, lassen ein paar Münzen in die Wollmütze des Straßenkünstlers fallen.

In Opladen hat sich der Rumäne, der seit vier Monaten in Köln lebt, seine neue Straßengalerie ausgesucht, "weil es hier ruhiger ist als in Köln", stellt er fest und gibt zu: "In Köln ist immer so viel los, da laufen so viele Menschen durch die Stadt und treten auch schon mal meine Sandfiguren kaputt." Ganz anders in der ruhigen Ecke in Opladen. Ein gutes Auge und ein Gefühl für die Anatomie zeichnen den 30-Jährigen aus. Es macht Freude, ihm beim Formen zuzuschauen und einen Moment zu verweilen. Denn der Augenblick bestimmt die vergänglichen Kunstwerke aus Sand: Wind, Regen oder eben ein unachtsamer Passant können das Werk in Sekunden zerstören. Doch Opladen ist ein gutes Pflaster für den Straßenkünstler. Das hat einen guten Grund: "In Köln ist der Wettbewerb unter uns viel größer", verrät der Skulpteur.

Straßenkünstler brauchen in Leverkusen keine Genehmigung, weder vom Ordnungsamt noch vom Straßenverkehrsamt, nur Schauspieler und Sänger müssen nach 20 Minuten ihren Standort wechseln, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Interessante Details stehen in der "Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf den Straßen und in den Anlagen der Stadt Leverkusen vom 11. Dezember 2008".

Interessant deshalb, weil beispielsweise auf die Minute genau geregelt ist, wie lange "laute" Straßenkünstler an einer Stelle arbeiten und gegebenenfalls "nerven" dürfen. Dazu heißt es in der Stadtsatzung in § 10 "Straßenmusikanten und Schauspieler":

"Musiker und Schauspieler müssen den Standort ihrer Darbietungen auf Straßen und Plätzen nach 20 Minuten so verlegen, dass ihre Darbietungen am ursprünglichen Standort nicht mehr gehört werden können. Sie müssen jedoch mindestens 200 Meter weitergehen." Diese Vorschrift entfaltet aber nur theoretisch eine Wirkung, weil das Ordnungsamt oder die so genannte City-Streife in der Regel nur nach einer Beschwerde aktiv werden.

(RP)
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