Viele Lehrstellen in Leverkusen bleiben unbesetzt

Vor allem im Handwerk : Fachkräftemangel – viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

„Ja, und dann ist uns auf den letzten Metern tatsächlich die Luft ausgegangen.“ Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft sieht es sportlich. Auf dem Ausbildungsmarkt sei Leverkusen im Frühjahr mit einer großen Zahl an eingetragenen Ausbildungsverträgen gestartet, doch letztlich wird ein Minus von 2,5 Prozent ausgewiesen.

Anlagenmechaniker und Elektroniker waren die gefragten Berufe. Doch in der „gemischten Bilanz“ gebe es auch dramatische Entwicklungen: Bei den Friseuren gebe es 41 Prozent weniger Verträge in Leverkusen, bei den Bäckern sind es im Rheinisch Bergischen Kreis 64 Prozent weniger neue Auszubildende. Otto bezeichnet das als „eine sehr bedenkliche Tendenz“: „Gerade bei den kundennahen Handwerken wie Bäcker und Friseure, deren Ladenlokale auch das Gesicht von Stadtvierteln prägen, ist die Entwicklung besorgniserregend.“ Das seien Lebensmittelpunkte in den Stadtvierteln.

Aber auch die anderen Gewerke suchen händeringend geeigneten Nachwuchs. Bei der gemeinsamen Vorstellung der Zahlen berichtete die Agentur für Arbeit von „mehr Ausbildungsstellen und weniger Bewerbern“, die Kreishandwerkerschaft zieht „eine gemischte Bilanz“ und die IHK Köln sieht zwar ein deutliches Plus bei neuen Ausbildungsverträgen in der gesamten IHK-Region, doch im Rheinisch Bergischen Kreis und Leverkusen wurden die Vorjahresergebnisse knapp verfehlt.

Dabei sei der regionale Ausbildungsmarkt voller interessanter Möglichkeiten, macht Marcus Weichert, Chef der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach deutlich: „Die duale Ausbildung ist eine hervorragende Grundlage für eine berufliche Karriere. Nicht für jeden ist ein Studium der richtige Weg.“ Was auch Carsten Berg, Leiter des Bereichs Ausbildung bei der IHK Köln unterstreicht. Mit dem derzeit bundesweit noch einzigartigen „YoungProfessional-Programm“ wurde ein Weg für junge Fachkräfte geebnet, die bereits einen Bachelor-Abschluss erzielt haben. Damit soll der Nachwuchs schneller und betriebsspezifischer als Fachkräfte in die Unternehmen integriert werden. Die Ausbildungszeit im Betrieb wird halbiert, bei gleichzeitig verdoppelter Ausbildungsvergütung für die Dauer des Vertrages. Was ihn zu der Bemerkung veranlasst: „Der Bachelor ist das neue Abitur.“

Studierende, die in eine Berufsausbildung wechseln möchten (Studienabbrecher) werden von der Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln beraten und unterstützt.  Dabei kann es die interessantesten Verbindungen geben, wie das Beispiel einer Japanologin zeigt, die als Groß- und Außenhandelskauffrau ihre Vorkenntnisse in ihren neuen Job einbringen kann.

Konkrete Zahlen: Bis Ende September wurden 8576 neue Ausbildungsverträge in rund 150 Berufen bei der IHK Köln eingetragen, 180 mehr als im Vorjahr. Ein Drittel davon betreffen die gewerblich-technischen Berufe, zwei Drittel die kaufmännischen. „Angesichts der demografischen Veränderung und der anhaltenden Präferenz der Schulabgänger fürs Studium seien die Zahlen zufriedenstellend, sagt Carsten Berg.