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Vergewatligungs-Prozess: Leverkusener Beschuldigter mit krioser Aussage

Vergewaltigungs-Prozess vor dem Landgericht Köln : Beschuldigter macht kuriose Aussage

Eine Amtsbescheinigung der Stadt Leverkusen soll ihm das Vergewaltigen von Frauen in seiner Wohnung erlauben. Das behauptete der Mann mehrfach gegenüber Polizei und Ärzten der LVR-Klinik Langenfeld.

Die Vorfälle rund um den Wiesdorfer Platz sind nach den Aussagen der Opfer geklärt. Die Leidtragenden wollten bei den Übergriffen des 53-jährigen Mannes weniger sexuelle Motive erkannt haben. Vielmehr habe der Angreifer einen völlig verwirrten Eindruck hinterlassen, als er seine Opfer umklammerte und mitzuzerren versuchte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchte Vergewaltigung und Körperverletzung in fünf Fällen vor.

Vor der 10. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts haben inzwischen alle Angegriffenen ausgesagt. Dabei haben aber einige Frauen die Angriffe als so schlimm empfunden, dass sie bis heute traumatische Erinnerungen daran haben.

Mit den Aussagen eines früheren Nachbarn und Ärzten aus der Langenfelder Landesklinik versuchte das Gericht nun, sich ein Bild davon zu machen, ob eine längere Einweisung in die forensische Klinik nach diesen und weiteren Vorfällen notwendig wird. Dabei kam einiges zur Sprache. Der frühere Nachbar erzählte von den andauernden Problemen, die die Hausgemeinschaft mit dem einstigen Mitbewohner hatte. Es gab laufend Beschädigungen – von der zerstörten Waschmaschine im Keller bis zum brennenden Auto vor der Haustür. Zwar konnte eine Brandstiftung nicht nachgewiesen werden, aber die Androhungen des 53-Jährigen vor dem Brand deuten nach Angaben des Nachbarn und Geschädigten darauf hin, dass es nur der Beschuldigte gewesen sein könne: „Er hat mehrfach angedroht, mein Auto anzuzünden.“

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Auch die behandelnden Ärzte aus der LVR-Klinik in Langenfeld stellten dem Leverkusener kein gutes Zeugnis aus und waren einhellig der Meinung, dass der Beschuldigte krank und eben aktuell nicht in der Lage sei, ein selbstbestimmtes Leben ohne Gefahr für seine Umwelt zu führen.

Die Übergriffe auf die Frauen begründete der 53-Jährige damit, dass er eine Bescheinigung der Stadt Leverkusen habe, wonach er Frauen mitnehmen und sie in seiner Wohnung vergewaltigen darf. Diese immer wieder gemachten Angaben des Leverkuseners bestätigten nicht nur Polizisten, die den Mann in der Wiesdorfer Fußgängerzone fixierten hatten und das in den ersten Ermittlungen protokollierten, sondern auch die von der Polizei zwecks Einweisung in die Landesklinik gerufene Notfallärztin und die behandelnden Ärzte aus Langenfeld. Auch ihnen erzählte er immer wieder von der „amtlichen Berechtigung“ der Stadtverwaltung.

Nach diesen diffusen Angaben des Mannes, der Uneinsichtigkeit, überhaupt krank zu sein, der wenig guten Prognose – allein schon wegen der regelmäßigen Rückfälle – wird das Gericht wohl zur Überzeugung kommen, den 53-Jährigen vorerst noch nicht in die Freiheit entlassen zu können. Da er sich nicht krank fühle, falle es ihm auch schwer, regelmäßig Medikamente zu nehmen, berichtete eine Ärztin dem Gericht aus dem Klinikalltag.

Der Prozess wird im Juni in Köln fortgesetzt.