Leverkusen: Verbraucherschützer kritisieren Deutsche Bank

Leverkusen: Verbraucherschützer kritisieren Deutsche Bank

Es ist noch kein Vierteljahr her, da sprach Jürgen Rodowski, Leiter im Marktgebiet Firmenkunden Köln-Leverkusen bei der Deutschen Bank, von einer Strategie, die sich "back to the roots" nennt und in Leverkusen erfolgreich sei.

Soll heißen: Firmenkunden werden auch als Privatkunden geworben - und andersherum. Insgesamt betreue die Deutsche Bank in der Farbenstadt 44 000 Kunden in drei Filialen (Wiesdorf, Opladen und Chempark), hieß es im März. Gerade die Zweigstelle im Chempark (K9) sei ein wichtiger Baustein. "Wir wollen die Bank dahinbringen, wo Leverkusen sein Herz hat", sagte Thomas Jung, der Leverkusener Filial-Direktor.

Seit gestern sprechen manche Deutsche-Bank-Kunden über andere Nachrichten: nicht etwa über die Renovierung der Opladener Filiale oder die Bedeutung der Wiesdorfer durch den Anschluss an die Rathaus-Galerie - sie wollen wissen, ob von den Plänen der Bankspitze, jede dritte Filiale bundesweit zu schließen, auch Leverkusen betroffen ist.

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Weder Rodowski noch Jung waren gestern für unsere Zeitung telefonisch zu erreichen. Verbraucherschützer werteten die Nachrichten aus der Vorstands-Etage jedoch als Einstieg in den Ausstieg aus dem Privatkundengeschäft.

Heidrun Jakobs ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins "Verbraucherschutz und Versicherungen". Die Fachanwältin setzt sich nach eigenen Angaben für die Interessen der Verbraucher gegen Banken, Versicherer und Finanzdienstleister ein. Sie beklagte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung einen enormen Vertrauensverlust, den ein solcher Schritt, wie ihn die Deutsche Bank jetzt eingeleitet habe, mit sich bringe. Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale NRW, kann da nur zustimmen. Und sie sagt: "Nicht einmal ein Wechsel der Bank kann Kunden davor bewahren, bald keine Bankgeschäfte vor Ort mehr mit einem Mitarbeiter ihres Vertrauens mehr tätigen zu können." Denn der Trend, Filialen aufzugeben, die bekanntlich teuer und oft auch personalintensiv seien, bleibe nicht auf die Deutsche Bank beschränkt: "Wir werden als Kunden umdenken müssen."

(RP)
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