Leverkusen: Uralt-Buche starb um 11.20 Uhr

Leverkusen : Uralt-Buche starb um 11.20 Uhr

Der Park von Schloss Morsbroich ist seit gestern um einen seiner imposantesten und wohl auch ältesten Bäume ärmer: Eine mehr als 200 Jahre alte Rotbuche wurde gefällt, um die Sicherheit für Spaziergänger zu gewährleisten.

Die Zeit hat ihn zu einem stattlichen Vertreter seiner Art werden lassen. Aufgewachsen im Europa, dem Napoléon Bonaparte seinen Stempel aufdrückte, konnte ihm bis gestern kein Krieg und keine Säge etwas anhaben. "Vielleicht ist er so alt wie das Schloss", meint Karl Zimmermann. Möglich wär's. 1774, so ist es überliefert, ließ Ignaz Felix von Roll die Burg in Alkenrath abreißen und ein barockes "Lustschlösschen" bauen. In dem Zuge soll ein englischer Landschaftsgarten angelegt worden sein. "Vielleicht wurde er damals gepflanzt", mutmaßt Zimmermann.

Zwei Meter Durchmesser

So genau muss er das nicht wissen: Zimmermann ist kein Historiker, sondern Förster. In dieser Funktion überwacht er gestern eine auch für ihn nicht alltägliche Fällung. Im Park von Schloss Morsbroich soll ein imposanter Baum verschwinden: eine mehr als 200 Jahre alte Rotbuche. Rund zwei Meter misst der Stamm, werden die Arbeiter später messen.

Seit dem Morgen treffen der Lützenkirchener Forstunternehmer Axel Guist und sein Mitarbeiter Christoph Jurek die Vorbereitungen. "Ich mache das seit 28 Jahren, aber das ist bislang der dickste Baum", erzählt Guist. Sicherheitshalber wird die Buche mit zwei Drahtseilen statt üblich mit einem gesichert. Sie sollen den Baum zwischen Teich und den Zaun des benachbarten Obstgutes fallen lassen. Schließlich setzt Jurek mit seiner Motorsäge samt 90 Zentimeter langem Kettenblatt zum finalen Schnitt an. Schon nach wenigen Sekunden versinken seine Schuhe in kleinen Bergen aus Sägemehl.

"In den letzten zwei Jahren sind zwei dicke Äste abgebrochen", erläutert derweil Zimmermann aus sicherer Entfernung den Grund der Fällung. Damals seien nur ein Stück Zaun und ein Obstbaum "erschlagen" worden. Bevor Schlimmeres geschehe – unmittelbar am Baum führt ein Trampelpfad entlang, auch ein Bienenhaus steht dort – muss die Mammut-Buche weichen.

Zukunftsperspektive? Brennholz!

50 Meter weiter kündigt ein Knacken das Ende des Baums an. Er wankt. Aber fünf, sechs Sekunden muss Jurek noch sägen, erst dann gerät die Buche in Schieflage. Ein lautes Krachen und ein lautloser Blätterregen besiegeln ihr Ende. Ihre Zukunftperspektiven? "Ein Teil bleibt liegen, das meiste wird Brennholz", sagt Zimmermann.

Während sich die Forstarbeiter auf die Schultern klopfen dürfen für eine "hundertprozentig gelungene Fällung" (Guist), wirkt Ursula Arand traurig ob der Lücke, die in den Schlosspark gerissen wurde. "Mir ist schwer ums Herz", sagt die Frau vom Fachbereich Umwelt. Vielleicht geht auch ihr gerade das Lied von Alexandra, "Mein Freund, der Baum", durch den Kopf.

(RP)