Ural Philharmonic Orchester spielt Rachmaninow im Erholungshaus

Ural Philharmonic Orchestra : Eindrucksvolle Meisterwerke im Erholungshaus

Ural Philharmonic Orchester spielt Rachmaninow mit Klangstärke und Virtuosität.

Das war ein ungeheuer intensiver Konzertabend, den das Ural Philharmonic Orchestra (UPO) den Besuchern von Bayer Kultur im Erholungshaus bescherten. Energisch, packend und sehr kraftvoll ließ Dirigent Dmitry Liss den großen Orchesterapparat ganze sinfonische Größe entwickeln. Umso faszinierender wirkten dagegen die leisen, fast bis zum Flüstern zurückgenommenen Passagen oder eine hingebungsvoll lyrisch empfundene Melodik.

Eindrücklicher kann man nicht für das Vermächtnis eines Landmanns werben als dieses 1936 gegründete Ensemble, das längst als eines der besten Sinfonieorchester Russlands gilt. Aus den Sinfonischen Tänzen op. 45, dem letzten vollendeten Werk Sergej Rachmaninows, ließ Dmitry Liss deutlich herausholen, was drinsteckt: knackige Rhythmik, süffiges Schwelgen, derb-hölzerner Tanz, großer Auftritt der reich besetzten und viel beschäftigten Schlagzeug-Gruppe, herbes, markiges Blech oder ein wundervoller Holzbläser-Teil, den die Streicher mit gleicher Hingabe beantworteten.

Der Dirigent agierte wie der Zaubermeister mittendrin, kein Taktschläger, sondern eher Animateur, der viel mehr auf Suggestion und emotionale Bewegungen setzt, um seine Klangvorstellungen zu verwirklichen. Da stach er dann schon mal mit ausgestrecktem Arm den Taktstock wie einen Degen im Zweikampf um dem markigen Einsatz in den hinteren Orchestergruppen zusätzlich an Schlagkraft zu verhelfen. Oder er wirbelte mit den Armen, um den Fluss der Musik lebendig zu halten und nach vorne zu führen.

Die Musiker des UPO stellten unmissverständlich klar, dass es sich trotz des Titels und der ursprünglichen Planung weniger um eine Ballettmusik handelt als vielmehr um große Sinfonik. Die in Teilen als Filmmusik vorstellbar ist. Mit gleicher Klangkraft und Vitalität hatten die Musiker den Abend mit dem Konzert für Orchester von Zoltán Kodály eröffnet. Deutlich anders als das, was landläufig als effektvoll ungarische Musik erwartet wird. Star des Abend war Nikolai Lugansky, der sich in besonderer Weise dem Klavierwerk von Rachmaninow verbunden fühlt.

Der Pianist, dem die Kritik regelmäßig Vielseitigkeit und außerordentliche Tiefe bescheinigt, beeindruckte im Erholungshaus in jeder Hinsicht. Mit ungeheurer Kraft schlägt er die Hände in die Tasten, um deutliche Akzente zu setzen und die Finger umgehend zu lösen für ein schnelles und ebenso ausdrucksstarkes, durchdrungenes Spiel. Die 24 Variationen über ein Thema von Paganini boten die ganze Spannbreite an Gestaltungsmöglichkeiten. Von der Virtuosität des „Teufelsgeigers“, die der ausgezeichnete Pianist Rachmaninow auf die Partie des Soloklaviers übertrug bis zur anmutigen Intimität im weichen Piano.

Mehr von RP ONLINE