Upcycling - nachhaltiger Umgang mit Kleidung in Leverkusen

Upcycling in Bergisch Neukirchen : Wenn aus T-Shirts Lätzchen werden

Schneiderin Perdita Nordieker macht aus alten Stoffen neue Kleidung.

Ab jetzt leben wir im Minus – am Freitag, 3. Mai, war der Erden-Überlastungs-Tag. Wenn alle Menschen so leben würden wie wir Deutschen, wäre der 3. Mai dieses Jahres der Tag, an dem wir alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht hätten. Dieser „Earth Overshoot Day“ wird jährlich vom „Global Footprint Network“ berechnet. „Deutschland hat sich seit 2018 um einen Tag verbessert“, sagt Marianne Ackermann, Vorsitzende des Fördervereins Naturgut Ophoven. „In Vietnam ist der Overshoot Day erst am 21. Dezember, in Katar war er am 1. Februar. Wir hoffen auf Verbesserung“, berichtet sie. Ute Rommeswinkel vom Naturgut geht gegen diesen Tag an: unter anderem mit Kleidung. „Wir bieten Trödelmärkte an, wo alte, ungetragene Anziehsachen verkauft werden können“, erzählt sie. „Bei jungen Menschen sind Kleidertausch-Partys gerade sehr beliebt.“ Allgemein ist Nähen wieder angesagt. Wie beides zusammenpasst: Also sparsam mit Ressourcen umzugehen und Nähen, dazu lud das Naturgut jetzt nach Bergisch Neukirchen ein.

Schneiderin Perdita Nordieker hat sich in ihrem Nähgeschäft „Schnittchen und Rosenrot“ auf Upcycling spezialisiert. Heißt: Aus alten Kleidern macht sie neue. „Als ich den Laden vor fünf Jahren eröffnet habe, schenkten Leute mir alte Stoffe und Kleidungsstücke“, berichtet sie. Nordieker hat einen ganzen Fundus mit alten Stoffen. „T-Shirts sind vielfältig einsetzbar“, sagt sie. „Ich schneide Stücke aus ihnen heraus und stelle Kinderkleidung wie Röckchen oder Lätzchen her.“

Mit Pullover-Stücken hat sie einen Blazer besetzt und aus zwölf weiteren eine Decke genäht – das Ergebnis ist persönlich, besonders und nachhaltig. Ihr ist wichtig, dass sich Menschen mit ihre Kleidung beschäftigen. „Wer seine Kleidung selbst näht, investiert sieben bis acht Stunden Zeit und sieht so den Wert der Arbeit“, erläutert sie. „Wenn ich meine Arbeit wertschätze, kann ich in meinen Schrank gucken und überlegen, ob ich wirklich etwas Neues brauche. Dann kann ich aussortieren und habe am Schluss einen Schrank mit weniger Stücken, die aber mit einander kombinierbar sind.“

Die Schneiderin bietet Kurse für Erwachsene und Kinder und auch Kindergeburtstage an. Einzelstücke näht sie auch, aber selten. „Einmal wurde bei mir ein Junggesellinnen-Abschied gefeiert. Die Braut war schwanger. Ihre Freundinnen haben alte Erinnerungsstücke mitgebracht und zusammen eine Babydecke genäht.“

Weitere Infos www.schnittchenundrosenrot.de.

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