Unwetter in Südfrankreich: Erste Eltern holen Kinder aus Frankreich ab

Zeltlager aus Leverkusen überschwemmt: Erste Eltern holen Kinder aus Frankreich ab

Die Behörden in Südfrankreich wollen an diesem Freitag die Suche nach einem vermissten Leverkusener fortsetzen. Er war Betreuer in einem Zeltlager mit rund 100 Kindern. Alle Verletzten haben das Krankenhaus inzwischen verlassen.

Das ehemalige Zeltlager der Leverkusener in Saint-Julien-de-Peyrolas am Fluss Ardèche ist völlig zerstört: Fahrräder liegen im Schlamm, Laternen sind umgeknickt. Ein Wohnwagen mit Vorzelt wurde von den Wassermassen gegen einen Baum gedrückt und stark beschädigt. Überall steht noch das Wasser.

Das Zeltlager war wegen des Unwetters am Donnerstag geräumt worden. Das Hochwasserwarnsystem habe funktioniert, ein Signalhorn habe die Teilnehmer vor der Gefahr gewarnt, berichteten die Helfer. Doch viele Kinder und Betreuer der St.-Antonius-Gemeinde waren noch auf dem Platz, als der Campingplatz am Donnerstag komplett überspült wurde.

Der Wohnwagen des 66-jährigen Betreuers der Gruppe war von der Überschwemmung mitgerissen und zerstört worden. Von dem Kölner fehlt seitdem jede Spur. „Er wurde zuletzt auf dem Platz gesehen, als er half, die Kinder in Sicherheit zu bringen“, sagt Bettina Gritzmann vom Veranstalter, der Jugendförderung Leverkusen. Ein Großaufgebot der französischen Polizei sucht nach dem Vermissten. Am Freitag wurde auch ein Hubschrauber eingesetzt, berichtete der Fernsehnachrichtensender BFMTV unter Berufung auf die Präfektur in Nîmes. Das französische Rote Kreuz betreut die rund Kinder und Betreuer der Gruppe aus Leverkusen in einer Mehrzweckhalle. Dort haben alle die Nacht verbracht. „Es sieht inzwischen ganz gut aus“, sagt Gritzmann. Alle Verletzten, drei Kinder und fünf Betreuer, hätten das Krankenhaus inzwischen verlassen. Die Kinder hätten eine ruhige Nacht auf Feldbetten des französischen Roten Kreuzes Mehrzweckhalle verbracht. „Alle konnten ein wenig schlafen, sie wurden mit Decken und Essen versorgt.“ Der Hilfstansport, der am Donnerstag Abend in Leverkusen gestartet war, sei am Morgen im Zeltlager angekommen.

Ein Sprecher des Veranstalters sagte unserer Redaktion, dass rund Kinder aus Leverkusen, Monheim, Hilden, Meerbusch, Leichlingen und Köln im Zeltlager waren. Eine verlässliche Übersicht über die Zahl der Kinder gibt es in Leverkusen derzeit nicht. Exakte Listen befinden sich in Frankreich und sind von der dortigen Polizei abgeglichen worden, um sicherzugehen, dass kein Kind fehlt. „Es müssen so um die Hundert sein“, sagt Gritzmann. Sie wurden begleitet von 30 bis 40 Betreuern.

Der Rücktransport der Kinder soll so schnell wie möglich laufen. Einem Leverkusener Reiseunternehmen ist es gelungen, Reisebusse zu organisieren. Sie sollen am Abend starten. Die Ankunft der Kinder in Leverkusen ist für Samstagvormittag geplant. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

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„Die ersten Eltern sind vor Ort und holen ihre Kinder ab“, teilte der Veranstalter zudem am Freitagmorgen auf seiner Facebook-Seite mit. „Die Nacht war unruhig, dennoch konnten alle ein bisschen schlafen.“

Noch am Abend schickte die Gemeinde zwei Transporter mit Hilfsgütern wie Kleidung, Schlafsäcken und Kissen nach Frankreich. Vielen Kindern blieb nur, was sie am Leib trugen, als das Unwetter über den Zeltplatz hereinbrach.

Seit 61 Jahren organisiert die Gemeinde Ferienfahrten in Zeltlager nach Frankreich, seit 1984 findet es in Saint Julien statt. 2006 hatte der Veranstalter den Zeltplatz von einem niedriger gelegenen Platz auf einen höheren Bereich verlegt. Nach diesem Unglück benötige man dringend Spenden, sagen die Organisatoren. „Wir stehen am Anfang und wissen nicht wirklich, was auf uns zukommt. Aber wir wissen sicher, dass wir finanzielle Hilfe benötigen werden!“, heißt es auf Facebook.

Die gesamte Region in Südfrankreich war am Mittwoch von heftigen Regenfällen getroffen worden. Mehrere Campingplätze wurden geräumt. Hunderte Feuerwehrleute und Polizisten waren im Einsatz.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Überschwemmung in französischem Ferienlager mit Kindern aus Leverkusen

(top/bu/dpa)