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Leverkusen: Unternehmer beklagen Fachkräfte-Mangel

Leverkusen : Unternehmer beklagen Fachkräfte-Mangel

Der Empfang der Wirtschaftsförderung am Montagabend bot nicht nur Anlass, damit sich 350 geladene Gäste und die Akteure selbst feiern. Vielmehr nutzten die Teilnehmer die Chance, sich auch kritisch zu aktuellen Themen zu äußern.

Wer in die Burg in Rheindorf einzieht oder den Bergerhof gleich nebenan, der bekommt angenehme Vermieter. Zwei Männer, die sich nicht gerne in den Vordergrund spielen, sondern sich lieber an Ex-Skispringer Sven Hannawald orientieren und "einfach ihr Ding machen". Dass das Scheinwerferlicht sie in den Fokus nahm, konnten Max Wedekind (38, liebt seinen Oldtimer-Käfer und den 1. FC Köln) und Thomas Kaiser (46, liebt seinen Alfa-Oldtimer und den MSV Duisburg) am Montagabend allerdings nicht verhindern.

Ist auch schwer möglich, wenn man auf dem Empfang der Wirtschaftsförderung den Unternehmerpreis verliehen bekommt. "Den stellen wir nicht bei uns ins Büro", sagte Wedekind, als sich der offizielle Teil des Abends in den gemütlichen zu wandeln begann. "Er wird in der Firma an einem Ort aufgestellt, wo ihn die Mitarbeiter sehen können." Kollege Kaiser ergänzte: "Wir sehen die Auszeichnung auch als Preis für die Generationen vor uns, die Denso zu dem gemacht haben, was es heute ist." Ein mittelständischer Betrieb mit 160 Mitarbeitern. Bald sollen es am Firmenstammsitz in Rheidnorf zehn mehr werden. Denso will wachsen.

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Doch gute Mitarbeiter zu finden, das sprach Kaiser in der Dankesrede an, sei mittlerweile extrem schwierig: "Stellen können kaum noch qualifiziert besetzt werden, auch gute Azubis zu finden, ist schwer." Denso käme da die Zusammenarbeit über betriebliche Praktika mit dem Wuppermann-Bildungswerk sehr entgegen.

Kaiser hatte damit ein Thema aufgegriffen, das zuvor schon in der prominent besetzten Talk-Runde auf der Bühne im Bayer Kasino angeschnitten worden war. Andreas Tressin von den Unternehmerverbänden Rhein-Wupper hatte da betont: "Unser Kapital sind die Fachkräfte. In der Region sind wir gut aufgestellt, aber die Lücken werden jetzt schon immer größer, jedes vierte Unternehmen sucht, jedes zehnte will Hochschulabsolventen, am meisten werden Ingenieure gesucht." Von den 24 Mint-Berufen (Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) gebe es in zehn bereits Mangel. Konkrete Lösungen konnte Tressin nicht nennen.

Darum ging's am Montagabend auch gar nicht. Vielmehr stießen die Gesprächsteilnehmer an einem Abend der wirtschaftlichen Rück- und Umschau eine ganze Reihe ernstzunehmender Themen durchaus kritisch an: Ulf Reichert, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Köln (IHK) sprach zur mittlerweile immer mehr bröckelnden Akzeptanz von Industrie, Chemparkleiter Ernst Grigat zur Problematik der Energiewende und Günther Horzetzky, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, ordnete als Gastredner die (politisch-)wirtschaftliche Lage des Landes ein. Für die Stadt fand er lobende Worte: "In Leverkusen wird seit 100 Jahren Erfolgsgeschichte geschrieben, die muss so fortgeschrieben werden." Gerade Leverkusen verfüge über viele gute Mittelständler und "kaum etwas prägt die Industrielandschaft wie der Mittelstand".

Die Denso-Chefs Max Wedekind und Thomas Kaiser werden das gerne gehört haben und tun seit gestern das, was sie vor der Preisverleihung taten: als Mittelständler im Schatten der Rheindorfer Burg die Wirtschaft in Leverkusen prägen oder ganz schlicht à la Hannawald: "Wir bei Denso machen einfach unser Ding."

(RP)