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Rockerszene in Leverkusen: Unter Beobachtung

Rockerszene in Leverkusen : Unter Beobachtung

In Köln stehen seit vergangener Woche acht mutmaßliche Mitglieder der Hells Angels vor Gericht. Es geht um Erpressung, Drogen und Brandstiftung. Auch in Leverkusen gibt es eine offenbar gewaltbereite Rockerszene.

Es ist knackig kalt und schon lange dunkel, als im Januar vor einer Teestube in Köln-Holweide plötzlich Schüsse fallen. Der Kugelregen beschädigt die Eingangstür, eine Fensterscheibe geht zu Bruch, einige Projektile bleiben in der Fassade stecken. Am Abend des selben Tages durchsucht die Polizei drei Treffpunkte der Rockerszene. Es geht um versuchte Tötung. Einer der durchsuchten Räume ist das Vereinsheim der "Bandidos" an der Mülheimer Straße in Leverkusen-Schlebusch. "Sobald wir den Verdacht haben, dass es Auseinandersetzungen in der Rockerszene gibt, treffen wir schnellstmöglich und konsequent Maßnahmen in dem Milieu", sagt damals Einsatzleiter Peter Kikulski. Bei der Razzia im Leverkusener Vereinsheim findet die Polizei im Januar Messer, Schlagstöcke und eine Machete.

Sie ist zwar nicht ansatzweise so groß wie in anderen Städten in NRW, doch auch in Leverkusen gibt es eine offenbar gewaltbereite Rockerszene, die unter polizeilicher Beobachtung steht. Wie viele Personen ihr angehören, ist nach Angaben eines Sprechers der Kölner Polizei schwer zu schätzen. Mutmaßungen zufolge geht es um einen Kreis von zehn Personen, der sich regelmäßig in dem seit 2015 existierenden Vereinsheim der Bandidos treffen soll. Ableger der Rockergruppe "Hells Angels" seien in Leverkusen nicht bekannt. "Zahlen zu nennen, ist schwierig", sagt ein Sprecher der Polizei auf Anfrage unserer Redaktion. Es gebe neuerdings eine Fluktuation zwischen den Gruppen. "Mitglieder wechseln häufiger zwischen den verschiedenen Gruppierungen", sagt der Sprecher. "Das war früher undenkbar." Undenkbar heißt: Ein Überlaufen zwischen verfeindeten Gruppen wurde mit Gewalt abgestraft.

Rocker stehen in Köln vor Gericht

Untereinander kämpfen die Rockergruppen um Macht und Einfluss. Rivalisierende Gruppen beanspruchen Territorien für sich und sind bereit, diese mit Waffengewalt zu verteidigen. Bei dem Prozess-Auftakt gegen einen mutmaßlichen Ableger der Hells Angels in Köln wurde in der vergangenen Woche erneut deutlich, wie das Rockermilieu funktioniert.

Die acht Angeklagten sollen sich zusammengeschlossen haben, um im großen Stil Marihuana anzubauen. In dem Prozess geht es aber nicht nur um Drogen, sondern auch um Machtkämpfe und Gewalt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, auf dem Straßenstrich am Kölner Eifeltor fünf Wohnwagen angezündet zu haben, weil die Prostituierten sich geweigert haben sollen, Geld an die Rocker abzugeben. Die Angeklagten seien bereit gewesen, ihr Gebiet mit Gewalt zu verteidigen, hieß es in der Anklage. Der Prozess hatte unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden, Dutzende Polizisten sicherten Flure, Eingänge und Zuschauerbereich im Gericht.

In Erkrath eskaliert das Rocker-Problem

Die Rocker entdecken offenbar immer neue "Geschäftsfelder" für sich. Ebenfalls in Köln wurde im Januar ein 24-jähriger Bandido verhaftet, der gemeinsam mit seinem Bruder reihenweise Senioren um ihr Erspartes gebracht haben soll. Die Brüder sollen Senioren am Telefon vorgegaukelt haben, Polizisten zu sein, um sich so ihr Bargeld zu erschleichen.

Nicht nur im Süden, sondern auch im Norden sind die Probleme mit den Rockern bislang größer als in Leverkusen. In mehreren Städten im Kreis Mettmann durchsuchte die Polizei im vergangenen Dezember mit Hilfe eines Spezialeinsatzkommandos Wohnungen und Geschäftsräume der Hells Angels in Heiligenhaus, Haan und Erkrath. Dort hatte im vergangenen August eine Massenschlägerei für Aufregung gesorgt. Auf dem Hochdahler Markt waren Mitglieder zweier libanesischer Familien aneinandergeraten, einige der Beteiligten waren offenbar Mitglieder der Hells Angels. Bei der Schlägerei waren Polizisten zum Teil mit Knüppeln ins Gesicht geschlagen und schwer verletzt worden. Die Ermittler beobachten die Verstrickungen zwischen gewaltbereiten Clans und Rockern mit zunehmender Sorge.

Im Fall der Schüsse auf die Kölner Teestube laufen die Ermittlungen indes weiter. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer von der Staatsanwaltschaft Köln sagte unserer Redaktion, es werde weiterhin geprüft, ob der Fall mit Rockern in Verbindung stehe.