Uli Borowka liest in Leverkusen aus seinem Buch

Uli Borowka in Leverkusen : Vom Absturz eines Fußball-Stars

Der frühere Bundesliga-Profi Uli Borowka liest und warnt vor Suchtgefahren.

Als härtester Abwehrspieler der Bundesliga machte sich Uli Borowka in den 90er Jahren einen Namen. Seine größten Erfolge feierte er mit Werder Bremen, als zweifacher Meister, doppelter Deutscher- und einfacher Europa Pokalsieger. Was kaum einer zu dieser Zeit wusste oder wohlwollend verschwieg: Borowka war schwerer Alkoholiker.

Heute ist der 57-Jährige nach zahlreichen Fehltritten und einer harten Entziehungskur trocken und tourt mit seiner 2012 erschienen Biografie „Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“ durch die Lande, um aufzuklären und wachzurütteln. Auch in Leverkusen erzählte Borowka am Mittwochabend in der Stadtbibliothek über seine Erfahrungen mit der Sucht. Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Alkohol? Nicht am Arbeitsplatz“ hatte die Stadt ihre Mitarbeiter zur exklusiven Lesung eingeladen.

„Die Sucht macht keinen Halt vor Menschen oder Positionen“, sagte Uli Borowka bei seiner Begrüßung. „Ich war selbstherrlich und selbstverliebt.“ Um den ständigen Erfolgsdruck, Hektik und Stress zu entfliehen, stürzte er sich in den Alkoholismus. Ein schleichender Prozess. Doch diesen Druck, Hektik und Stress, sagt der ehemalige Profifußballer, habe er in den vergangenen sieben Jahren in ganz Deutschland gesehen, wenn Menschen eilig von A nach B flitzen, mit dem Handy vor der Nase und ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen. „Wir leben in einer kranken Gesellschaft und wir sollten in Zukunft aufpassen, wie wir über Suchterkrankte reden. Denn es kann jeden treffen.“

40 Milliarden Euro Schaden würden, laut Borowka, jährlich in Deutschland durch Ausfälle und Suchttage entstehen. „Meiner Meinung hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht.“ Auch die Vereine und der Fußball sowieso, müssten viel mehr dazu beitragen, den Alkoholkonsum nicht zu verherrlichen: „Der Handball geht da mit gutem Beispiel voran, doch der DFB kriegt wiedermal nichts hin.“ Bei Sportfesten, Vereinsfeiern und selbst Jugendveranstaltungen sei das größte Problem, genügend Bierwagen bereitzustellen. Er betonte, dass er nicht mit erhobenen Zeigefinger jemanden etwas verbieten wolle. „Ich rede nur von mir, von meinen Erfahrungen und darüber, dass wir als Erwachsene eine Vorbildfunktion haben.“

Als Profisportler erklomm Borowka die Spitze der Bundesliga und fiel durch den Alkohol in die tiefen Abgründe der Kriminalität und der Spielsucht. Erst als er alles verlor und einen Suizid-Versuch überlebte, ging er in die Klinik. Heute berichtet er von seiner Erfahrung, in der Hoffnung anderen Betroffenen Mut machen und das Umfeld sensibilisieren zu können. „Ich kann froh sein heute bei euch zu sein. Auch wenn ich seit 19 Jahren trocken bin, ich bin bis an mein Lebensende gefährdet.“

Zum Hintergrund: Die Stadt Leverkusen führt bei ihren Mitarbeitern Maßnahmen zur Suchtprävention. Verhaltensauffällige Mitarbeiter werden in einem fünfstufigen Verfahren aufgefangen. Durch vertrauliche Gespräche und die Vermittlung zu Hilfestellen werden Mitarbeiter unterstützt. Tritt keine Besserung ein, sind Abmahnung und schließlich die Kündigung die Folge. Seit 2012 wurden zwei bis drei Verfahren durchgeführt. In nur einem Fall endete das Verfahren mit einer Kündigung.

Mehr von RP ONLINE