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Leverkusen: Über den Wolken muss Angst nicht sein

Leverkusen : Über den Wolken muss Angst nicht sein

Ein langjähriger Berufspilot hilft in einem Seminar bei der VHS Leverkusen, Flugängste zu überwinden. 20 Prozent aller Menschen haben ein mulmiges Gefühl in den Lüften. Doch entspanntes Fliegen kann man lernen, weiß Rainer Plesse.

Vor dem 11. September 2001 hat Flugkapitän Rainer Plesse Passagiere zu sich ins Cockpit geholt, damit sie ihre Angst überwinden. "Nach dem 11. September durften wir das aus Sicherheitsgründen nicht mehr. Dabei war dies die beste Möglichkeit, den Leuten die Flugangst zu nehmen", berichtet der 72-Jährige. Nach 45 Berufsjahren als Militär-, Test- und Verkehrspilot hatte er mit 65 Jahren als Pensionär der Lüfte Seminare anzubieten, um mit praktischen Übungen und vor allem Information und Aufklärung die Flugangst zu überwinden. Zum wiederholten Male kommt der Dresdner nun auch nach Leverkusen. Bei der Volkshochschule möchte er in einem Wochenendseminar und fakultativ dazu anschließend bei einem begleiteten Flug Ängste abbauen.

"Entspanntes Fliegen kann man lernen", sagt Plesse. Und mit Ängsten lasse sich viel leichter umgehen, wenn man sich informiere, wie ein Flugzeug funktioniert, was Turbulenzen sind und "dass Luft keine Löcher hat", sagt er scherzhaft und spielt damit auf einen weit verbreiteten Irrtum an, bei Turbulenzen von "Luftlöchern" zu sprechen.

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Etwa 20 Prozent der Bevölkerung leide unter Flugangst, sagt der ehemalige Berufspilot, der in seinen Dienstjahren auch bärenstarke Männer erlebt hat, die beim Fliegen regelrechte Panikattacken entwickelten. Denn jeder könne solche Ängste entwickeln, aber auch wieder loswerden, ist sich Plesse sicher. In seine Seminare kommen Menschen, die noch nie geflogen sind, weil sie davor Angst haben, ebenso wie Menschen, die schon geflogen sind und dabei alles andere als entspannt gefühlt haben. "Die Angst äußert sich bei jedem anders. Manche schwitzen, atmen schnell bis hin zum Hyperventilieren", verdeutlicht Plesse. Wieder andere reagierte mit Vermeidungstaktiken.

Und einmal sei ein Mann aus Flugangst wieder von Bord gegangen und habe zu seiner Familie gesagt:"Fliegt ihr mal lieber ohne mich in den Urlaub!" Solche Flucht- oder Vermeidungsstrategien seien aber besonders problematisch, wenn man beruflich eigentlich darauf angewiesen sei zu fliegen, gibt der Pilot zu bedenken. Die wenigsten Chefs hätten Verständnis dafür, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht mit dem Flugzeug auf Dienstreisen schicken könnten. Deshalb gehört Plesse auch zu einer Reihe von Anbietern, die Seminare gegen Flugangst veranstalten. Er selbst meint, er sei einer der preisgünstigsten Anbieter: "Ich muss als Rentner nicht von meinen Seminaren leben", sagt er. Wer das im Seminar Erlernte anschließend in der Luft erproben möchte, kann mit Plesse einen Flugtermin vereinbaren. Mit Teilnehmern aus Leverkusen geht es dann beispielsweise vom Düsseldorfer Flughafen aus durch die Wolken.

(RP)