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Tränen beim Abschied von alter Wache in Leverkusen

Löschzug 11 zieht um : Tränen beim Abschied von alter Wache

Der Wiesdorfer Löschzug 11 zieht um in die neue Feuerwache. 40 Nachbarn standen an der Moskauer Straße Spalier und applaudierten den ehrenamtlichen Helfern. Aus der alten Wache soll ein Jugendhaus werden.

Das Wetter hatte sich am frühen Mittwochabend dem Anlass angepasst. Es regnete pausenlos. Auf den Straßen sammelte sich das Wasser in Pfützen und vom hohen Turm der alten Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr (Löschzug 11) fielen dicke Tropfen auf die Rankenplanzen, die sich an ihm emporstreckten. Es sollte das letzte Mal sein, dass Zugführer Andreas Schuhen und seine Kollegen aus dem einfach zu kleinen und in die Jahre gekommenen Gerätehaus ausfuhren. Der Löschzug zieht in die neue Hauptwache. Nachbarn und Freunde nahmen mit viel Applaus Abschied von den Feuerwehmännern.

Das war den Brandbekämpfern in Zeiten von Covid19 fast ein wenig zu viel Rummel um ihre Person, wie Schuhen eine Stunde vor der letzten Ausfahrt zugab. „Eigentlich gibt es keinen offiziellen Abschied“, sagte er und lächelte verlegen.

Im Stillen und Geheimen hatte Johanna Zabinski dennoch einen netten Abschied organisiert. Seit zwölf Jahren steht sie in Kameradschaft zu den freiwilligen Feuerwehrleuten. Ihr Mann ist stellvertretender Zugführer, wie sie verriet. Die Planungen mit der Nachbarschaft vor ihrem Gatten geheim zu halten, kostete Mühe. „Das war sehr schwierig“, sagte die 43-Jährige. Sie hatte  heimlich Nachbarn und Freunde angesprochen, sie gebeten, an jenem Tag des Auszugs auf die Straße zu treten und die „Helden in Uniform“ zu verabschieden. Rund 40 Bekannte, Freunde und Nachbarn waren diesem Ruf gefolgt und sorgten für ein herzliches Auf Wiedersehen.

Neben einer Feuerwache zu wohnen, ist was den Lärmpegel angeht nicht gerade ein Vergnügen. Bei ihren Einsätzen  brausen die Ehrenamtler schließlich mit Martinshorn durch die Straßen – auch mitten in der Nacht.. Das hört sich dann mitunter an wie ein Feuerwehrwagen im eigenen Wohn- oder Schlafzimmer. Dennoch das hinderte die  Nachbarn keineswegs daran, für eine angemessene Verabschiedung zu sorgen. Gestört gefühlt hatte sich von ihnen niemand. „Ich kenne keinen, der sich nur ein Mal beschwert hätte“, betonte Zabinski.

Denn die Feuerwehr an der Moskauer Straße gehörte für viele Wiesdorfer eben dazu. Und das war richtig und gut so. 1910 bis 1912 war die Wache erbaut worden. Damals noch mit eigenem Stall für die Pferde. Mittlerweile ist die Unterkunft für die Belange der Feuerwehr jedoch zu klein und zu altmodisch. Die Spiegel der großen Fahrzeuge müssen bei Ein- und Ausfahrt ein- und wieder ausgeklappt werden, weil das Rolltor, das zum Hinterhof zeigt, zu klein war.

Für Walter Endlein war der Abschied der Brandbekämpfer gar nicht fassbar. Der Präsident der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft lebt in 3. Generation in Wiesdorf – die Feuerwehr hatte da immer dazugehört. „Es geht ein Stück Tradition“, sagte er betrübt. Die Bruderschaft, von der einige Schützen gekommen waren, pflegt eine Freundschaft zum 11. Löschzug. Gern hatten die Freiwilligen sich gegenseitig bei ihren Festen geholfen. Insbesondere die Feier an Karneval im Alten Gerätehaus sei ihm in bester Erinnerung, sagt der Wiesdorfer Schütze.

An den alten Bau an der Moskauer Straße soll nun im Rahmen des Integrierten Handlungskonzept (InHK) Wiesdorf eine Begegnungsstätte gebaut werden. Die Nachbarschaft hofft, dass die Feuerwehrleute in ihrem ehemaligen Zuhause einen Raum bekommen, in dem kurzfristige Treffen weiter möglich sind.

Als der Zeitpunkt des Auszugs gekommen war, stoppte der Löschzug noch kurz auf der Straße. Löschzugführer Schuhen hielt eine kurze Rede. Wenige Sätze hatte er sich zuvor auf kleinen Zetteln notiert. Als die Nachbarn Musik spielten, kämpften Feuerwehrleute und Freunde gleichermaßen mit den Tränen. Dann zog der Zug mit Blaulicht und Martinshorn ein letztes Mal davon.