Tour erklärt Straßennamen von Leverkusen

Auf Tour durch Wiesdorf : Die Geschichten hinter Straßennamen

Leverkusen ist eine Chemiestadt – gestern wie heute. Das zeigt sich auch in den Namen der hiesigen Straßen und Wege.

 Seit vielen Jahren laufen und fahren die Menschen in Leverkusen durch ihre Stadt. Dabei geht es durch altbekannte Straßen, deren Namen zwar bekannt, doch deren Bedeutung oft unbekannt sind. In Wiesdorf versuchten jetzt gut 20 Personen, diese Wissenslücken zu stopfen. Dabei kam ans Licht: Die Straßennamen sind für Leverkusen und dessen Wurzeln typisch.

Reiner-Ernst Ohle und Detlev Prößdorf führten die Tour. Und gleich zu Anfang stellte Prößdorf fest: „Es gibt in Leverkusen so viele Straßen, über die man etwas sagen könnte.“ Da aber die Zeit fehlte, beschränkte sich das Duo auf einige wenige.

Die Dönhoffstraße ist demnach nach einem Verwaltungsbeamten  aus dem 19. Jahrhundert benannt. In der damaligen Zeit war es gang und gäbe, dass hochrangige Beamte durch die Benennung einer Straße geehrt wurden. „Heute stehen die ja eigentlich nicht in gutem Ansehen“, kommentierte Prößdorf schmunzelnd. Fritz Dönhoff kam 1894 nach Leverkusen, als dieses sich von einem „Fischerdorf“ in eine Stadt verwandelte, und fungierte als Landrat.

Die kleine Pfarrer-Schmitz-Straße geht von der Dönhoffstraße ab und führt zur Fußgängerzone. Sie hatte in ihrer Geschichte bereits drei Namen. „Mit den Kleinen kann man’s ja machen“, sagte Prößdorf. Der Vom-Stein-Straße folgte die Otto-Grimm-Straße. Der aber stand den Nationalsozialisten nah, so dass dies später geändert wurde. Pfarrer Johannes Schmitz verkörpert hingegen das genaue Gegenteil. Er lehnte sich einst auf.

Die Nobelstraße am Erholungshaus verbinden viele Leverkusener mit einer noblen Wohngegend. Dabei geht es um den Mann der bekannten Stiftung: Alfred Nobel. Der hatte seinerzeit Experimente auch in Leverkusen durchgeführt. Sein skandalträchtiges Werk (es geht um Mord) sollte im Erholungshaus aufgeführt werden – dazu kam es nie.

An der Liebigstraße steht einer der vielen Brunnen, die einst von Bayer in den Kolonien errichtet wurden und als Versammlungsstätten dienten. „Es ist schade, dass die verkommen“, bedauerte Reiner-Ernst Ohle. Justus Liebig war – wie könnte es anders sein – Chemiker. Bekannt ist er dafür, dass er den Suppenwürfel erfand. Große öffentliche Aufmerksamkeit bekam er dafür aber nie. Ursprünglich sollten die Würfel als Medikament dienen.

Gleich in die Nähe liegt die große Wöhlerstraße. Friedrich Wöhler (abermals ein Chemiker) und Liebig verstanden sich gut, waren Freunde. Wöhler gelang es, menschlichen Harnstoff synthetisch herzustellen. Es war das erste Mal, dass dies mit einem organischen Produkt gelang. Heute ist die Straße eine der meist befahrenen. Sie hat zwei Gesichter. Die schöne Seite ist die Kolonie II, die andere zeigt zur Innenstadt.