Toni Blankerts Lesung in Opladen

Lesung in der Villa Römer : Toni Blankerts’ Zeitreise durch Opladen

In der Villa Römer las er aus seinem Buch „Zu Gast in Opladen – gestern und heute“. Die Zuhörer waren begeistert und schwelgten in Erinnerungen.

An dieser Reise in die Vergangenheit wollten so viele Menschen teilnehmen, dass sie gar nicht alle einen Sitzplatz erhielten. Am Dienstagabend platzte die Villa Römer fast aus allen Nähten, als Toni Blankerts auf Einladung des Bergischen Geschichtsvereins aus seinem Buch „Zu Gast in Opladen – gestern und heute“ las. „Damit habe ich nicht gerechnet“, freute sich der 82-Jährige über das große Interesse von rund 100 Zuhörern. „Mit dem Buch habe ich offenbar den Nerv der Zeit getroffen“, sagte Blankerts, blätterte in den folgenden zwei Stunden kreuz und quer durchs Buch und zeigte die entsprechenden Aufnahmen.

Beim Bild vom einstigen „Tresörchen“ ging ein Raunen durch die Reihen. Blankerts erinnerte daran, dass mit der Kultkneipe 1953 im Keller der neugebauten Sparkasse ein neuer Treff fürs Opladener Bürgertum entstanden war. Dort wurde über Gott und die Welt gesprochen und so manche Runde mit einem Nagelschlag in einen Baumstumpf besiegelt, der neben dem Tresen stand. Ein Gasthof, an den sich heute noch zahlreiche Opladener erinnern könnten, sei das Hotel Hohns gewesen, fuhr Blankerts fort. Der Saal konnte, je nach Veranstaltung, bis zu 600 Personen aufnehmen. Im Jahr 1946 waren darin bis zu 124 Flüchtlinge untergebracht.

Die 1931 errichtete Stadthalle war über Jahrzehnte der gesellschaftliche und kulturelle Mittelpunkt für Opladener. Das vorgelagerte Hotel – im Jahr 1913 im Stil des bergischen Barocks gebaut – diente dem Unternehmer Friedrich Richard Weskott, einem Enkel eines Mitgründers von Bayer, eine Weile als Wohnsitz. Seit Jahren liege der Betrieb in der Stadthalle brach. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, kritisierte Blankerts, ehe er in Lützenkirchen die Gaststätten Kuhl und Ohlig beschrieb sowie den Gasthof „Stippenhüschen“ in der Altstadtstraße.

In diesem Zusammenhang erinnerte Blankerts an die Zeit, als er Anfang der 60er Jahre mit seinem Gesangspartner Herbert Kopp als Duo „Ton und Tönchen“ im Karneval unterwegs war und Krätzjer sang. Prompt klang das Lied vom „Ahle Dorp“ erneut durch die Villa Römer und die Leute begannen zu schunkeln. In diesem Jahr nicht mehr, aber in der nächsten Session sei er durchaus bereit, die Mundart erneut vorzutragen, sagte Blankerts. Nach langanhaltendem Applaus signierte er noch Bücher und verkaufte die letzten Exemplare. Die nächste Lesung bei freiem Eintritt ist am Freitag, 15. März, 15 Uhr, im GBO-Haus, Kölner Straße 100.

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