Thorsten Johanns und Moritz Eggert traten in Schlebusch auf.

Konzert in Schlebusch : Klavier und Klarinette in Bewegung

Thorsten Johanns und Moritz Eggert traten in Schlebusch auf.

Mit ihrer Matinee am Sonntagmorgen erfüllten  Klarinettist Thorsten Johanns und Pianist Moritz Eggert das von KulturStadtLev vorgegebene Spielzeitmotto „Querdenker“ gleich mehrfach. Zunächst gehört Eggert selbst als Komponist, Hochschullehrer und Blogger auf jeden Fall zu dieser Spezies, was sowohl seine eigene Musik als auch seine Kommentare und Zwischenrufe zutrifft.

Zum anderen traf es auf mehrere Stücke im Programm zu, geschrieben von Komponisten, die sich eben nicht den von Zeitgenossen gesetzten Trend anschlossen. „Kopfgeburten“ und „Laboratoriumsmusik“ schimpfte der 1893 geborene spanische Einzelgänger Federico Mompou die seinerzeit Fortschrittlichen im Gefolge von Arnold Schönberg, mit deren Musik er sich nicht anfreunden mochte. Er bevorzugte die lichte Transparenz der französischen Kollegen Debussy oder Satie, um doch seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln, den Sanglichkeit und eine zurückhaltende Noblesse auszeichnen, der in seinen Canzones y Danzas aber sehr wohl spanisch inspirierte tänzerische Bewegung ausdrückt.

Moritz Eggert spielte eine Nummer aus diesem Zyklus und sofort im Anschluss seine eigene Hommage an Mompou, dessen Feinheit er in seine eigene Klangwelt übertrug. Sein Lehrer war der 2017 verstorbene Wilhelm Killmayer, der als Komponist erst sehr spät Anerkennung fand. Auch er hatte mit der kargen Avantgarde nichts im Sinn, sondern mit ästhetischer, melodischer Musik, die tonal blieb aber dennoch mit unerwarteten, manchmal frechen Wendungen überraschte.

„Die Schönheit des Morgens“ hat er seine bildhaften fünf Romanzen überschrieben, mit denen das Duo Johanns und Eggert das Konzert an diesem eher trüben Sonntagmorgen eröffneten. Ursprünglich für Bratsche gedacht hat er den Melodien mit dieser Bearbeitung für Klarinette und Klavier geradezu Atem eingehaucht. Zauberhafte Musik jedenfalls, die so ganz auf Intuition setzt und nicht auf ganz große Virtuosität. Die kam später ohnehin beim „Grand Duo concertant“ op. 48, einem Spätwerk von Carl Maria von Weber, der sich für die Einbürgerung der Klarinette im Orchester eingesetzt hat. Und der das Instrument so offensichtlich liebte, dass er ihm nicht nur wundervolle Melodielinien, sondern auch opernhafte Dramatik in die Partitur schrieb.

Das üppige Orchester dazu hatte Eggert mit zwei Händen zu ersetzen. Virtuosität plus Anmut und Leidenschaft vereinigt die Klarinettensonate op. 120 Nr.1 von Johannes Brahms, die ebenso auf dem Programm standen wie ein Duo-Stück von Moritz Eggert, das zwar „Tableau“ heißt, also ein eingefrorenes Bild oder Stilleben bezeichnet, aber alles andere ruhig ist, sondern diverse Möglichkeiten der Klangerzeugung in der modernen Musik beschreibt, indem es (stapfende und klopfende) „Bewegung für Klarinettesten und Pianisten“ verordnet.

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