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Theater-Geburtstag: Die Hitdorfer "Streichholzschachtel" wird 20

Theater-Geburtstag : Die Hitdorfer „Streichholzschachtel“ wird 20

Zündholzfabrik wird Kulturtempel: So heißt die Kurzform zur Entstehung des „matchboxtheaters“ in Hitdorf. Der runde Geburtstag wird wegen Corona erst Anfang 2021 gefeiert. Was bis dahin und darüber hinaus geplant ist, verrät Prinzipalin Martina Vikanis.

Seit 20 Jahren ist der geschichtsträchtige Ort, der 941 erstmals als „Huttorp“ erwähnt wurde, um eine Attraktion reicher: Das „matchboxtheater“ nahm eben exakt vor genau 20 Jahren seinen Betrieb in Hitdorf auf. Eigentlich sollte der runde Geburtstag groß gefeiert werden, aber dann kam Corona. Nun erscheint am 10. August das neue Programm. Der Spielbetrieb als Ersatz für ausgefallene Darbietungen soll ab 22. August starten, zunächst mit einer Premiere des Schauspielkurses „Der Fall Megan Roberts“. Und das Jubiläumsfest wird im nächsten Jahr nachgeholt.

Das Theater in der „Streichholzschachtel“ (Englisch: matchbox) ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Zum einen, weil es mit nur 56 Sitzplätzen und entsprechend bescheidener Plattform das wohl kleinste Schauspielhaus weit und breit ist, zum anderen den außergewöhnlichen Spielort in einer ehemaligen Zündholzfabrik hat.

2005: Martina Vikanis vor der seit fünf Jahren bespielten Bühne in Hitdorf. In dem Jahr gab es den Kurt-Lorenz-Preis. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

„Das Ensemble braucht den Vergleich mit professionell arbeitenden Bühnen nicht scheuen“, verdeutlicht Prinzipalin Martina Vikanis  – Inhaberin, Leiterin und ehrenamtlich engagierte Akteurin auf, vor und hinter dem Podium. Die 60-Jährige hatte ursprünglich Kunst und Romanistik auf Lehramt studiert, ehe sie als Assistentin und Übersetzerin für die Industrie arbeitete.

Richtig zufrieden war sie aber erst, nachdem sie 1997 als 37-Jährige zum ersten Mal bei der VHS in Monheim auf den Brettern stand und Theaterluft schnuppern durfte. „Es hat mich absolut gereizt, in andere Rollen zu schlüpfen“, beschreibt Vikanis im Rückblick. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Bei fast jeder Aufführung steht sie auf dem Podest. Die gesamte übrige Familie – Ehemann und zwei Töchter – ist ebenfalls ins Geschehen eingebunden. Millie, die Jüngere, hat durch das „matchboxtheater“ sogar ihre Berufung gefunden, aktuell studiert sie Schauspiel in Bern (Schweiz).

Anfang 2000: Ein Jahr zuvor hatte sich der Verein gegründet, wandelte die Zündholzfabrikräume in ein Theater. Das erste Stück war „MacBest“ von Terry Pratchett. Der britische Autor besuchte das Hitdorfer Theater mehrfach und lobte die Inszenierung. Foto: LudmillaHauser/Repro: Ludmilla Hauser/Foto:Peter Seibel

Doch was wäre ein Theater ohne sein Ensemble? Hunderte Laiendarsteller präsentierten sich mit 24 Eigenproduktionen - darunter mehrere deutsche Erstaufführungen – dem Publikum. Dazu bereicherten dutzende Künstler – unter anderem Sebastian Pufpaff, Volker Weininger und Wilfried Schmickler  – die Gastspiele der vergangene zwei Dekaden. Insgesamt wurden 226 Stücke aufgeführt. Alleine die Theatertruppe studierte jährlich bis zu zwei Vorführungen ein. 2005 wurde das Haus mit dem Kurt-Lorenz-Preis, dem einzigen Leverkusener Kulturpreis, ausgezeichnet.

In Zukunft gebe noch viel mehr zu tun, sagt Martina Vikanis. Doch die zeitlichen Ressourcen des ehrenamtlich und mit großer Leidenschaft arbeitenden Teams seien begrenzt. Jede einzelne von rund 60 Veranstaltungen pro Jahr müsse sorgfältig und liebevoll vorbereitet werden. Die Maxime aller Beteiligten solle stets die Freude an der Arbeit bleiben. Auch deshalb werde das „matchboxtheater“ als „Heimstatt einer funktionierenden, liebevollen Familie“ geschätzt, in der man sich aufgehoben und unterstützt fühle.

Volle Zustimmung kommt von Vorstandsmitglied Sven Klatte. „Wir arbeiten im Dienst der Sache“, beschreibt er schmunzelnd. „Wir sind gesellig, lieben, verraten, überführen, hintergehen und verhaften uns. Wir bringen uns gegenseitig um – immer wieder. Alles völlig legal und rechtskonform.“

Das Vorstandsteam – neben Martina Vikanis und Sven Klatte gehört Melanie Caspari dazu – weiß um seine Aufgabe. Für zündende Inhalte sind und bleiben Geschick, Durchhaltevermögen und Professionalität neben Nachwuchs weiterhin unverzichtbar. Martina Vikanis ist überzeugt davon, dass sie dieses Ziel gemeinsam erreichen werden und sagt: „In Zukunft wollen wir noch viele weitere Herausforderungen in Angriff nehmen.“ So ist der Fortbestand selbst dann gewährleistet, wenn sich die Chefin voraussichtlich innerhalb der nächsten fünf Jahre in die zweite Reihe zurückzieht. Denn dann rückt Melanie Caspari nach, die aktuell schon fast die künstlerische Leitung übernommen hat.