"The Private View" von Francis Alÿs im Schloss Morsbroich

"The Private View" von Francis Alÿs im Schloss Morsbroich : Kunst mit politischem Anspruch

Am kommenden Sonntag wird die Schau „The Private View“ mit Arbeiten von Francis Alÿs im Schloss Morsbroich eröffnet.

Nanu, in diesem Raum war ich doch schon einmal. Wenn Besucher des Museums Morsbroich genau das denken, dann ist der Plan von Francis Alÿs aufgegangen. Das „Déja vu“ ist beabsichtigt, deswegen hat der in Belgien geborene Künstler das Bild vom Mann im Bilderrahmen zwei Mal gemalt. Und Kuratorin Stefanie Kreuzer hat die symmetrische Architektur des barocken Schlosses genutzt, um diese Täuschung perfekt in Szene zu setzen. Denn es sind Räume mit identischen Grundrissen, in denen jeweils nur dieses eine kleine Bild an der linken Wand hängt. Einmal am Anfang und einmal am Ende des Rundgangs in der oberen Etage, wo vor allem die neueren Arbeiten zu sehen sind.

Am Sonntag wird die „The Private View“ mit Arbeiten von Francis Alÿs eröffnet. Dann wird auch die NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft Isabel Pfeiffer-Poensgen dabei sein, weil ihr Ministerium einen entscheidenden Beitrag zur Finanzierung geleistet hat. Ansonsten ist Stefanie Kreuzer vor allem den privaten Leihgebern dankbar, die sich auf Zeit von teils recht fragilen Arbeiten trennten. Normalerweise messe sie einer Künstlerbiografie keinen großen Wert bei, doch in diesem Fall erkläre sie die Themen und die Herangehensweise an die Kunst, die immer auch eine politische und gesellschaftliche Dimension hat, erklärte sie bei der Preview.

Francis Alÿs hat zunächst Ingenieurwissenschaften und Architektur studiert. Bei seiner Abschlussarbeit in Venedig, eine rational geplante Renaissancestadt, hat er begonnen Geschichten zu schreiben und beispielsweise bei der Besinnung auf das Mittelalter die Tiere zurückgeholt in die Innenstadt. Tiere, insbesondere der Hund, sind bis heute in diversen Arbeiten das Medium, sind intellektuelle Stolpersteine in urbanen Lebensräumen. Die hat der Künstler bei seinen Wanderungen durch London und seine Wahlheimat Mexico City genau unter die Lupe genommen und mit Kunst in ganz unterschiedlichen Texten in Frage gestellt. Nicht anprangernd und plakativ, sondern immer auf geradezu spielerische Weise, frei von ökonomischem Sinn oder Zwang.

So ist es jedem selbst überlassen, über Alternativen zu der favorisierten Lebensweise nachzudenken. Beispielsweise vor der 24-teiligen Arbeit über den geschichtsträchtigen und sozial problematischen zentralen Platz (Zócalo) in Mexico City, der schon wegen seiner Größe und Anlage zugleich an andere Schauplätze politischer Revolutionen und Demonstrationen erinnert.

Alÿs hat 24 Aufnahmen zu unterschiedlichen Tageszeiten gemacht und gezeigt, wie die Menschen die Fläche für sich nutzen. Sie suchen Schutz im Schatten des riesigen Fahnenmastes in der Mitte und bilden dort eine lange Reihe, die bei veränderter Sonneneinstrahlung weiter wandert. In einer dazugehörigen Video-Arbeit hat er auch Ton und Bewegung festgehalten.

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