Test zu Radwegen in Leverkusen

Radwege im Test : Wo die Stadt Radfahrer ausbremst

Was braucht es, damit Leverkusener aufs Rad steigen? Die Fahrradsituation der Farbenstadt als Selbsterfahrung.

Unsere Reporterin hat sich aufs  Fahrrad gesetzt und bei ihrem täglichen Weg zur Redaktion   genauer hingeschaut. Wo lauern Gefahren für den Zweiradverkehr und was muss sich ändern, damit in Zukunft mehr Menschen auf den Drahtesel zurückgreifen?

Los geht die Tour in Bürrig. Ziel ist die Opladener Fußgängerzone. Zur Auswahl stehen zwei Wege: Der Waldweg, vorbei am Mühlengraben oder die Route über den Mühlenweg und die Kölner Straße. Die Entscheidung ist wetterabhängig. Bei Regen und Nässe fährt es sich nicht gut durch den Wald. Spätestens auf der Opladener Seite angekommen, sind Fahrrad, Schuhe und Kleidung mit Schlamm bedeckt und müssen gesäubert werden. Große Pfützen und Matsch säumen den Untergrund.

„Das Waldstück zwischen Bürrig und Opladen ist seit 20 bis 30 Jahren nicht saniert worden. Für September ist jedoch ein Beschluss vorgesehen, der festlegt, dass der Weg mit einer wassergebundenen Oberfläche versehen wird“, erläutert Kurt Krefft, verkehrspolitischer Sprecher des Fahrradclubs ADFC. Aber auch bei trockenem Wetter ist das Radfahren dort eine wackelige Angelegenheit. Schlaglöcher, große Steine und der teils abschüssige Wegrand zum Mühlengraben erfordern Vorsicht.

Der trockene Weg ist oft die bessere Wahl. Doch führt er entlang der  vielbefahrenen Straße. Die erste Gefahrensituation wartet an der Bahnunterführung Richtung Küppersteg/Reuschenberger Tierpark. Ein Schild weist Fahrradfahrer darauf hin, hier den Fußgängerweg mitzubenutzen. Fährt man den schmalen, steilen Weg abwärts, kann nicht eingesehen werden, ob von der anderen Seite der Unterführung ein Fußgänger naht. Mit steigender Geschwindigkeit laufen Radler Gefahr, frontal in einen entgegenkommenden Fahrradfahrer oder Fußgänger hineinzurasen. Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht.

Die Engstellen der Leverkusener Fahrradwege kritisiert auch Krefft: „Es kann nicht sein, dass einige Fahrradwege unserer Stadt so eng sind, dass man an dem Lenker des entgegenkommenden Radfahrers oder an Hindernissen am Wegesrand hängen bleibt.“

Unversehrt auf der anderen Seite der Unterführung angekommen, geht es weiter Richtung Küppersteg. Um auf die Kölner Straße zu gelangen, muss der Mühlenweg bis zu seinem Ende durchfahren werden. Einen schnelleren, diagonal verlaufenden Weg gibt es nicht.

„Es darf nicht nur für Autofahrer Direktwege geben. Fahrradfahrer sind gleichgestellte Verkehrsteilnehmer und profitieren daher, in der Theorie, auch von den gleichen Rechten“, betont Krefft. Als Paradebeispiel für Fahrradrouten in Leverkusen nennt er die Tour von Opladen nach Wiesdorf. Man umfahre den Europaring wortwörtlich durch Vorgärten und Hinterhöfe, um nach Wiesdorf zu gelangen. Das koste Zeit und Kraft.

Auf der Kölner Straße führt der Weg zur Arbeitsadresse an der Bahnhofstraße  nun nur noch abschüssig geradeaus. Wären da nicht die vielen Ampeln, die die Radler alle paar Meter ausbremsen. „Es sind alte Forderungen, wie die Umstellung der Ampelschaltung, die langsam und mühsam, wie zum Beispiel in Quettingen, umgesetzt werden“, sagt Klefft.

Auf der Kölner Straße wird es dann richtig eng. Dort behauptet sich die Radlerin tapfer neben den Autos auf der gemeinsamen Fahrspur und spürt den Luftzug der eng passierenden Fahrzeuge bei jedem Überholen. Ein kleiner Trost: Auch die Buslinie 201 die schon an der Haltestelle Karl-Ulitzka-Straße auf ihrer Höhe war, kommt nicht schneller voran. Die alten Häuser lassen sich nicht verrücken, doch wo es geht, fordert der ADFC Fahrradstraßen.

Aufatmen bei der Ankunft an der Redaktion. Ein Abstellplatz fürs Rad ist schnell gefunden. Ein Vorteil des Drahtesels.

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