Leverkusen: Temporeich-talentiertes Spiel mit Angst und Glück

Leverkusen: Temporeich-talentiertes Spiel mit Angst und Glück

Ein wenig schräg sind alle Drei. Die naive Bettie plaudert munter darüber, wie viel Zeit ihr Freund mit Sexvideos verbringt. Die sachliche Lore hat ein Problem mit der Nähe von Eltern und Kirche, und die realitätsferne Mia lebt gedanklich in der Welt der Cowboys. Ein gemeinsamer Nenner ist nicht auszumachen. Doch dann geschieht etwas, das die jungen Frauen zusammenschweißt. Auf dem Flughafen sitzen sie nebeneinander in drei Toilettenkabinen, als ein herrenloser Koffer entdeckt und das Gebäude evakuiert wird. Bis auf die Personen in den Toiletten, sie dürfen sich nicht von der Stelle bewegen. In Todesangst beruhigen sich gegenseitig.

Als die Gefahr vorüber ist, fallen sie sich in die Arme und beschließen, anderen Menschen auch solche Momente des Glücks und der Erleichterung zu verschaffen - quasi professionell. Und damit beginnt auf der Bühne des Jungen Theaters Leverkusen eine Mischung aus gespielten Szenen und erzählten Passagen, temporeich und präsent, dass die Zuschauer bis zum überraschenden Schluss zwischen Spannung und Schmunzeln hin- und hergerissen sind.

Am Wochenende feierte die Crew mit dem "Demut vor deinen Taten, Baby" von Laura Naumann Doppel-Premiere. Petra Clemens Inszenierte die Produktion zwei Mal parallel mit unterschiedlichen Besetzungen, die sich zunächst nicht gegenseitig bei den Proben beobachtet haben. So entstanden, trotz des identischen Drehbuchs, zwei unterschiedliche Versionen. Denn die jungen Frauen des JTL-Ensembles nutzten die Freiheit, ihre vorgegebene Figur individuell zu entwickeln. In der Besetzung vom Freitag ging Tara Alana Alsleben in der Rolle der Bettie auf, über deren sonniges Gemüt sich die Premierenzuschauer amüsierten. Lisa Birnkott mimte die Lore als Gegenpart, als harte Aussteigerin. Und Svea Menne war als Mia der verträumte Charakter. Samstag und Sonntag spielten Annbritt Faubel (Bettie), Lotte Becker (Lore) und Annika Schaper (Mia).

Mit der gemeinsamen Idee nimmt das Stück richtig Fahrt auf. Die drei harmlosen Mädels mischen bewaffnet Clubs auf und inszenieren Terroranschläge, immer mit dem gleichen Ziel: Die Menschen glücklich und dankbar zu machen nach überstandener Extremsituation. Das funktioniert so gut, dass die Regierung sie mit weiteren Aktionen beauftragt.

Was niemand vorhersehen konnte: Die beglückten Menschen verzichten auf Vorsorge, Konsum und Arbeit. Die Wirtschaft bricht zusammen, was nun? Ein interessantes Gedankenspiel, das die jungen Darstellerinnen mit Witz und Spontaneität gelungen auf die Bühne bringen.

Weitere Aufführungstermine im JTL, Karlstraße 9a: 16. März (Besetzung b), 17. und 18. März (Besetzung a).

(mkl)