Teilnehmer der Bayer-Ehrenamtsinitiative Prosi arbeiteten im "Bunker"

Serie Die Unbezahlbaren : Aus Rumpelkammer wird Fitnessraum

Teilnehmer der Bayer-Ehrenamtsinitiative Prosi legten jetzt ordentlich Hand im Jugendzentrum „Bunker“ an.

Urig sieht es aus in einem lang vergessenen Raum im ersten Obergeschoss des alten Bunkers: Ein blutroter Teppichboden aus grobem Gewebe umgibt die Wände. Alte Musikinstrumente – verstaubte E-Gitarren und halb abmontierte Schlagzeug-Sets – stehen verwaist herum. Lange ertönte hier wohl keine Musik mehr. „Früher waren die Probenräume sehr begehrt“, erzählt Reiner Hilken, Leiter des Jugendzentrums an der Dr.-August-Blank-straße. „Davon konnte man nicht genug haben. Heute reichen uns die übrigen vier aus. Diesen Raum können wir für Anderes nutzen.“

Lange hatten sich die Jugendlichen in dem Haus einen Raum gewünscht, um sich körperliche auszupowern. Bislang fehlten dazu das Geld und die nötige Unterstützung. Diese bekommen sie nun von vier jungen Bayer-Mitarbeitern und Prosi-Mitbegründer Ali Cengiz, die – innerhalb der Ehrenamtsinitiative Prosi und mit vermittelnder Hilfe des Freiwilligenzentrums „Lupe“ – Freizeit und Hände zur Verfügung stellen, um mit anzupacken.

Hilken, der sich über Manpower und finanzielle Hilfe von 3500 Euro freut, hat auch schon einen Plan: „Zuerst aufräumen – und wenn der Boden besenrein ist, können wir das Laminat verlegen.“ Sobald der Raum fertig gestaltet ist – eine helle Wandfarbe und eine passende Beleuchtung gehören zum neuen Konzept dazu – werden die Fitnessgeräte, die Hilken bei der Schließung eines Fitnessstudios in Köln günstig erwerben konnte, aufgestellt. „Ein Trainer wird die Jugendlichen dann anleiten und darauf achten, dass sie die Übungen richtig ausführen“, betont der Leiter.

Beim ersten Anblick des Raumes ist bei den jungen Ehrenamtlern noch jede Menge Fantasie gefragt. Doch die Motivation ist hoch und nach wenigen Minuten und vielen koordinierten Handgriffen die ehemalige Rumpelkammer aufgeräumt: „Ich wollte mich schon immer sozial engagieren und hatte Lust bei diesem Projekt mitzumachen“, erzählt die 23-jährige Celine Vieker. Neben Beruf und Studium habe es bislang aber nicht geklappt. Auch deswegen findet Niclas Roelen (23) Prosi so gelungen: „Man kann sich ungezwungen für ein Projekt anmelden und mithelfen, ohne sich lange und regelmäßig an etwas zu binden.“

Julien Förstemann (20) und Nele Hennigsen (19) sind erst seit September bei Bayer angestellt und nutzen die Initiative auch, um die Kollegen und die Einrichtungen der Stadt in einem anderen Umfeld kennenzulernen. „Ich bin durch meinen Abteilungsleiter auf die Initiative aufmerksam geworden und fand auf der Online-Plattform gleich das Projekt mit dem Bunker, das nur 50 Meter von mir zu Hause entfernt ist“, erzählt Förstemann. Der gebürtige Hannoveraner hatte sich schon lange gefragt, was sich hinter dem Betonklotz verbarg. Henningsen war auch in ihrer alten Heimat sozial aktiv, half syrischen Familien beim Deutschlernen. „Ich fand es immer einen schönen Ausgleich zum Alltag.“ Ihr Duales Studium habe sie dann aber lange daran gehindert, sich irgendwo wieder zu engagieren.

Die Ehrenamtsinitiative setzt genau da an, verrät Bayer-Mitarbeiter Ali Cengiz, einer der Gründer von Prosi. Über eine Online-Plattform werden sämtliche Projekte mit Terminen aufgeführt. Wer spontan Zeit hat, trägt sich ein und hilft mit. „Für mich bedeutet das Ehrenamt, einfach mit anzupacken“, sagt Cengiz. „Es bedeutet, anderen zu helfen und in diesem Fall dabei, eine Umgebung zu entwickeln, wo Jugendliche gerne ihre Zeit verbringen, weg von der Straße.“ Dass sich die Jugendlichen einen Fitnessraum wünschten, kann Cengiz gut nachvollziehen. „Auch ich habe früher gerne trainiert.“

Sobald der Raum fertiggestellt ist, wollen sich weitere Prosi-Teilnehmer etwas später auch um die Außenanlage des Jugendzentrums in Wiesdorf kümmern und einen kleinen Kräuter- und Gemüsegarten anlegen.

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