Leverkusen: Taxi "Mama" fährt heute nicht

Leverkusen : Taxi "Mama" fährt heute nicht

Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, sorgen teils für heftiges Verkehrschaos. Ein neuer Wettbewerb von Wupsi und Naturgut soll zum Umdenken bewegen. Bis 22. Juni können Kinder ein Schulwegtagebuch führen.

Eine Woche ohne Taxi "Mama" in die Schule oder ohne das Auto von Papa zum Sport? Dass das möglich und vielleicht sogar einfacher als gedacht ist, soll ein Wettbewerb zeigen, den die Wupsi-Verkehrsbetriebe gemeinsam mit dem Naturgut Ophoven ins Leben gerufen haben. "Eine Woche ohne Elterntaxi" lautet das Motto, unter dem Schüler aller Leverkusener Schulen bis Juni teilnehmen können.

Eine Woche also, in der die Schüler auf sich allein gestellt sind. "Die Kinder sollen dadurch Selbstständigkeit lernen", erläutert Organisatorin Ute Rommeswinkel. Außerdem sollen sie sehen, dass sie auch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder etwa den öffentlichen Verkehrsbetrieben problemlos von A nach B kommen. "Das ist natürlich viel besser für die Gesundheit und schont zusätzlich die Umwelt", fasst Ute Rommeswinkel die positiven Nebeneffekte zusammen.

Dabei liege das Problem gar nicht unbedingt an fehlender Motivation der Schüler. "Häufig wollen die Kinder alleine zur Schule, aber die Eltern haben zu viel Sorge", sagt Marc Kretkowski, Geschäftsführer der Wupsi. Dabei wäre es zu seiner Zeit noch "uncool" gewesen, sich von den Eltern bringen zu lassen. "Früher haben wir die Zeit im Bus zur Schule mit Freunden für Gespräche genutzt", erzählt auch Kristin Menzel, Leiterin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Wupsi. "Und manchmal auch zum Hausaufgaben abschreiben", fügt Marc Kretkowski dann noch lachend hinzu.

Die Elterntaxen sorgen vor den Leverkusener Schulen regelmäßig für Verkehrschaos. Das Werner-Heisenberg-Gymnasium konnte deswegen laut Menzel eine Zeit lang gar nicht von Bussen anfahren werden. "Die Autos haben die Situation dort extrem gefährlich gemacht". Kretkowski moniert unverantwortliche Fahrmanöver. "Die gefährden in dem Moment auch andere Schüler", ärgert er sich.

Hans-Martin Kochanek, Leiter des Naturguts Ophoven, will die Eltern aber nicht an den Pranger stellen und hofft stattdessen darauf, dass die "Kinder mit den Eltern ins Gespräch kommen". Grundsätzlich könne man auch zuerst mit ein bis zwei Tagen in der Woche anfangen, in denen die Kinder selbstständig unterwegs sind.

Die Details zum Wettbewerb sollen bald an alle Grund- und weiterführenden Schulen geschickt werden. Interessierte Schüler oder Klassen können dann ein Tagebuch beantragen, in dem sie ihre Erfahrungen und alle zurückgelegten Wege aufschreiben. Grundschüler, die in der Wettbewerbswoche ein Schülerticket benötigen, können sich laut Menzel bei der Wupsi melden. Aus allen bis zum 22. Juni eingereichten Tagebüchern werden drei Gewinnerklassen ausgesucht. Die dürfen sich etwa über neue Pausenspiele oder eine Wupsi-Führung freuen.

(joe)
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