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Tanzschule Kaechele: Zwei Schritte nach vorne, drei zurück

Erst Übernahme, dann Corona, nun Hochwasser : Tanzschule Kaechele: Zwei Schritte nach vorne, drei zurück

Vom Pech verfolgt: Erst muss Stefan Biggeleben seine Tanzschule Kaechele wegen der Pandemie schließen, nun flutete das Hochwasser die Räumlichkeiten. Neben Heizung, Elektrik und Möbeln ist auch das Parkett hin, auf dem Generationen tanzen lernten.

Was als Traum begann, endete im Fiasko. Stefan Biggeleben, Inhaber der Tanzschule Kaechele, ist verzweifelt. Nachdem der 57-Jährige bereits Mitte der 1990er-Jahre die Geschäftsführung der 1969 durch Wally Kaechele gegründeten Tanzschule in der Gerhart-Hauptmann-Straße 55 übernommen und zeitgleich zehn Prozent der Geschäftsanteile gekauft hatte, konnte der Opladener im März 2020 endlich auch die letzten 90 Prozent übernehmen. „Das war immer mein großer Traum“, beteuert der Tanzlehrer des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer-Verbandes (ADTV), der 1987 seine dreijährige Ausbildung beendete. Für Geschäft und Inneneinrichtung überwies er einen Geldbetrag an Axel Kaechele, den Sohn von Wally Kaechele, der aber nach wie vor Eigentümer des Gebäudes sein wird. Knapp 14 Tage später musste die Tanzschule wegen Corona schließen.

Im Spätjahr konnte die wegen ausbleibendem Nachwuchs ohnehin schon arg gebeutelte Tanzschule immerhin für vier Monate ein stark reduziertes Programm anbieten. Ehe im November ebenfalls wegen Corona das vorläufige Ende für den Betrieb begann. „Ich habe zwar finanzielle Unterstützung bekommen, weiß aber noch nicht, wieviel ich zurückbezahlen muss“, ordnet Biggeleben ein. Um sich wenigstens selber über Wasser halten zu können, übernahm er fortan einen Job in der Opladener Apotheke Beenen. Und zog etwa zeitgleich in die Tanzschule ein, um zusätzliche Ausgaben für seine private Wohnung einzusparen.

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Als wäre er bis dato vom Schicksal noch nicht geschlagen genug, kam zuletzt auch noch das Hochwasser. „Es sah furchtbar aus“, beschreibt Biggeleben seinen Eindruck, nachdem er das Chaos noch in der Nacht entdeckte und bis zu den Knien im Wasser stand. „In den Innenräumen stand das Wasser, die Wupper hatte sich bis dorthin ausgebreitet.“ Mit der Folge, dass natürlich auch der Keller des dreistöckigen Hauses vollgelaufen war.

Inzwischen steht fest, dass sowohl die Heizung als auch die komplette Elektrik und das Kühlhaus nur noch reif für den Schrott sind. Das gilt ebenfalls für das Parkett im Erdgeschoss, auf dem so viele Generationen die einzelnen Schritte für zahlreiche Gesellschafts- und Turniertänze wie Rumba, Tango, Wiener Walzer erlernten. Während der Pausen ruhten sie sich vielleicht kurz auf den Polstermöbeln aus, die am Tag der Katastrophe auf dem Wasser schwammen. „Oh nein, hier habe ich tanzen gelernt und so viele schöne Jahre verbracht“, berichteten etliche Augenzeugen entsetzt, kamen aber zum Glück kurze Zeit später, um anzupacken und zu helfen.

„Alles kommt zusammen und ist absolut unerfreulich“, konstatiert Biggeleben nun. Allerdings ist er keinesfalls zum Aufgeben bereit. „Wir packen es an“, blickt er optimistisch in die Zukunft und hofft, mit dem Team bald wieder arbeiten zu können. „Zum Glück haben wir Betriebsferien“, fasst Biggeleben das einzig Gute an der aktuellen Situation in Worte. Für die erste Augustwoche ist ein Ferienprogramm geplant, das vermutlich realisiert werden kann, wenn auch nur in einem Saal im ersten Obergeschoss. Bis zum Ende der Sommerferien sollten – wenn alles optimal läuft – wieder beide Säle zur Verfügung stehen. Biggeleben: „Ob das gelingt, wage ich allerdings zu bezweifeln.“