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Syrien: Warum "Prinz Kopal" in Leverkusen ein Vorbild geworden ist

Angekommen in Leverkusen : Warum "Prinz Kopal" aus Syrien ein Vorbild ist

Miro Kopal flüchtete 2015 vor den Kriegswirren in Syrien. In Leverkusen hat er sich schnell integriert. Nun studiert er Maschinenbau an der FH.

Kopal Miro flüchtete 2015 vor den Kriegswirren in Syrien. In Leverkusen hat er sich schnell integriert. Nun studiert er Maschinenbau an der FH.

Kopal Miro ist 28 Jahre alt. Sein Nachname bedeutet "Prinz", so dass er im Café Welt in Wiesdorf auch herzlichst "Prinz Kopal" genannt wird. Der fast zwei Meter große Syrer wirkt besonnen, freundlich, lächelt viel und ist sehr bescheiden. Seine Vita ist beeindruckend: Zusammen mit fünf Brüdern und vier Schwestern wächst er in einem Dorf in Nordosten von Syrien auf. Zum Tagesablauf der Familie gehört es, die Schafe zu hüten und der Feldarbeit nachzugehen. Die Schule besucht er in Syrien und besteht das Abitur, gefolgt von Ausbildung und beruflichem Einsatz in der Erdölförderung. Dort trifft er das erste Mal auf deutsche Arbeiter. Von ihrem Wissen und deren fortschrittlicher Technik ist er sofort begeistert. 2011 beginnt der bis heute andauernde Syrienkrieg.

Als er im Mai 2012 den Einberufungsbefehl zum syrischen Militär erhält, steht für Kopal Miro fest: Ich flüchte nach Deutschland. Mit einem Zwischenaufenthalt im Irak fliegt er am 17. Dezember 2015 nach München. Über eine Station in Neuss bekommt Kopal einen Wohnsitz in Leverkusen zugewiesen. "Zunächst war ich in der Sandstraße untergebracht. Da musste ich viel spazieren gehen, um den dortigen Alltag nicht mitzubekommen", erzählt er. Mit einem unglaublichen Ehrgeiz besucht er zahlreiche Sprachcafés im gesamten Stadtgebiet. Auf den Integrationskurs müsse er acht Monate warten, sagt man ihm. Doch die Zeit will er produktiv nutzen. "Ich habe wirklich jeden Tag Deutsch gelernt". Zwei Mal die Woche besucht er das Café International, geht wöchentlich zur Awo und zu anderen Einrichtungen. Im Café Welt in Wiesdorf, das sich seit 2015 für die Integration von Flüchtlingen mit Sprachcafés, Kinderbetreuung und Hilfe bei Behördengängen einsetzt, fühlt er sich besonders wohl. Dort trifft er die Leiterin Martina Weber: "Es ist wirklich erstaunlich, mit welch langem Atem wir bei den Behörden Zeit mitbringen müssen", erzählt sie.

Kopal sei ein Vorbild für andere Flüchtlinge ist. Nach bereits einem halben Jahr im Sprachcafé diente er bereits als Dolmetscher für die Mitarbeiter. "Das hat uns die Arbeit viel leichter gemacht", berichtet Weber. Mittlerweile kommt Kopal nur noch selten zum Café. Im November 2016 überspringt er die Sprachprüfungen A1, A2, B1 und legt erfolgreich die Endstufenprüfung B2 ab. Parallel zu seinem Deutschprogramm absolviert Kopal eine sechswöchige Maßnahme zur Erklärung der deutschen Arbeitswelt und ein sechswöchiges Praktikum in einer Wasseraufbereitungsfirma in Bergisch-Gladbach. Sein Ziel: Studium im Fach Maschinenbau. Dafür muss er den Sprachtest C1 und den TestAS (Studierfähigkeit für Ausländer) bestehen. "Davor hatte ich wirklich Angst", gibt Kopal zu. "Bei dieser Prüfung würden sicherlich auch viele deutsche Bürger scheitern", erklärt Werner Wendt. Der Diplom-Ingenieur arbeitet ehrenamtlich im Café Welt mit und staunt über den starken Willen Kopals. Dieser besteht im Frühjahr 2017 erneut mit Bravour und erhält eine Zusage von der Fachhochschule Aachen und von der FH Köln. Er befindet sich inzwischen im zweiten Semester und arbeitet nebenbei bei der Messe Köln. "Wenn ich mit dem Studium fertig bin, möchte ich gerne in Deutschland bleiben und arbeiten", sagt er. Nach Syrien will er nicht mehr zurück.

(RP)