Susanne Bucholz ist neue Produktionsleiterin bei Covestro in Leverkusen

Susanne Buchholz über Covestro : „Es darf nicht langweilig werden“

Susanne Buchholz ist seit gut 100 Tagen die neue Produktionsleiterin von Covestro am Standort Leverkusen. Für die 47-Jährige heißt das ganz klar: Sie tauscht den Schreibtisch oft gegen den Gang durch die Betriebe.

Die Briten sind schuld. Ja, am Brexit-Chaos, aber auch daran, dass Susanne Buchholz heute das tut, was sie tut: Die 47-Jährige ist neue Produktionsleiterin des Kunststoffherstellers Covestro in Leverkusen. Seit gut 100 Tagen ist sie im Amt. Zeit also, eine Frau kennenzulernen, die über ihr Berufsleben sagt: „Es darf nicht langweilig werden.“

Langeweile ist ein gutes Stichwort. Während Buchholz’ Schulzeit war der Chemieunterricht, den sie erlebte, geprägt von viel Theorie und wenig Praxis. Als Susanne Buchholz in der elften Klasse für ein Austauschjahr an eine englische Schule ging, änderte sich das. Der Chemielehrer dort machte das Fach erlebbar und Unterricht zum Anfassen. Neben dem Pauken des Periodensystems durften die Schüler vieles ausprobieren. „Ich dachte damals, das ist eine tolle Sache, das mache ich beruflich.“

Die Eltern, der Vater Rechtsanwalt, die Mutter Ärztin, seien vielleicht irritiert gewesen über den Wunsch ihrer Tochter, „aber sie haben mich immer machen lassen, haben mich unterstützt“. So ging die Kölnerin zu Studium und Vordiplom nach Freiburg, ein Jahr ins schottische Edinburgh, dann bis zum Diplom zurück nach Köln und für die Promotion an die Uni Bochum. „Eigentlich wollte ich nach Berlin, aber Bochum beginnt auch mit einem B“, sagt sie schmunzelnd.

2001 fing Buchholz bei Bayer in der zentralen Forschung an, konkret in der Verfahrensforschung im Chemiebereich, sie wechselte in die Produktionssicherheit, dann in die Verfahrens- und Anlagensicherheit, später in der Produktsicherheit. Das sei zwar weiter weg vom Reagenzglas, aber Chemie habe für sie nicht unbedingt nur etwas mit Forschung zu tun. 2015 machte sie nochmal einen Schnitt, wechselt ezu Bayer Crop Science in die Agrochemie. Langeweile ist ein Wort, dass Buchholz in ihrem Wortschatz nicht findet. „Ich mache gerne ab und an etwas Neues.“ Und das Schöne in einem großen Unternehmen sei ja, „dass man immer mal andere Facetten eines Berufes kennen lernen kann“.

Seit August lernt die 47-Jährige die Aufgaben einer Produktionsleiterin kennen, muss dafür Sorge tragen, dass im Tagesgeschäft am Standort Leverkusen alles läuft. „Da hängen Menschen dran.“ In Buchholz’ Fall sind es 600 Mitarbeiter. Ein Schreibtischjob ist das nicht. Die 47-Jährige zieht sich mehrmals pro Woche die Sicherheitsschuhe und den Schutzhelm an und geht in die Betriebe. Zu ihren Mitarbeitern. Ressentiments, weil der Chef nun eine Frau ist, seien ihr nicht begegnet. Die Zeiten hätten sich geändert, sagt die promovierte Chemikerin. „Als ich studiert haben, kamen auf 100 Studierende vier Frauen, Mittlerweile ist das Verhältnis viel ausgewogener. Auch bei Covestro herrscht da kein Ungleichgewicht.“

Überhaupt hat Susanne Buchholz in den vergangenen Monaten festgestellt, dass am Leverkusener Standort etwas besonders ist: „Leverkusen lebt davon, dass es eine durchgehende Produktionskette (Bereich CAS, siehe Infobox) gibt, von der Rohstoffanlieferung bis zum Logistikbetrieb. Das ist jedem im Team bewusst und das hält das Team zusammen.“

Darauf will sie aufbauen. Im Team will sie das „Wir-Gefühl“ weiter stärken und Innovationen auf den Weg in die Praxis begleiten, also Forschungsergebnisse als Produkte auf den Markt bringen. „Aber Innovationen brauchen Zeit.“ Das hat sie damals nicht in England gelernt. Das hat sie auf dem Weg bis zur Produktionsleiterin als Erfahrung gesammelt.