Leverkusen: Suchthilfe packt Karnevalspakete

Leverkusen : Suchthilfe packt Karnevalspakete

"Survival Packs" mit Kondom und Kotztüte sollen Jugendliche mit einem Augenzwinkern vom Komasaufen abhalten.

Alkohol verändert Menschen und macht hemmungslos. "Im Alkoholrausch machst Du schnell mal verrückte Sachen, wirst übermütig, überschreitest Grenzen, gehst Risiken ein", steht auf einem Merkblatt, das die Suchthilfe Leverkusen in ein kleines Paket gepackt hat. Außerdem darin enthalten sind je ein Luftballon, Hustenbonbon, Traubenzucker, Präservativ sowie eine Kotztüte mit dem Spruch "Wenn's dann doch zu viel war".

Insgesamt 1500 dieser "Take care"-Pakete werden ab sofort - und somit rechtzeitig vor dem Endspurt der tollen Tage - an weiterführenden Schulen und an Leverkusener Schüler ab der achten Klasse verteilt. "Wir sind im Rheinland und müssen das Thema nun mal exponiert angehen", erklärte Michael Schätzle von der Fachstelle für Suchtvorbeugung. Soll heißen: "Wenn du schon trinkst, dann pass auf Dich auf". Vorrangiges Ziel der Aktion "Safer Karneval" sei die Werbung für einen risikoarmen und verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol.

Die Zahl der jungen Komasäufer in NRW ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gestiegen. Fast 5200 Kinder und Jugendliche wurden 2016 wegen akuter Alkoholvergiftung stationär behandelt. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sorgt die Suchthilfe Leverkusen nun vor. "Wir leben natürlich nicht hinter dem Mond", so Schätzle, "aber wir plädieren mit Augenzwinkern für so wenig Risiko wie möglich. Kein Konsum - kein Risiko", fasste der Diplom-Sozialarbeiter zusammen.

Die bereitgestellten Pakete reichten natürlich nicht für alle Leverkusener Schüler, so Schätzle. Aber alles sei eine Kostenfrage. Die Gesellschafter - der Evangelische Kirchenkreis und die Stadt Leverkusen - erhalten Mittel für präventive Arbeit, aus denen die Aktion alle zwei Jahre finanziert wird. Diesen Rhythmus werde man voraussichtlich beibehalten, damit sich der Effekt nicht abnutze.

Die Aktion kommt insgesamt gut an. Bislang haben rund 60 Klassen ihre Teilnahme signalisiert. Lehrer konnten sich im Vorfeld anmelden und die "Überlebens-Pakete" für ihre Schüler bestellen. Begleitend dazu erhalten die Pädagogen ein Methodik-Set zur Alkoholprävention und zur Gestaltung entsprechender Unterrichtseinheiten an Karneval. Passend zum Song "Nüchtern bin ich so schüchtern, aber voll, da bin ich toll" könnten Gruppen beispielsweise über das Spektrum zwischen unbedenklichem und problematischem Alkoholkonsum diskutieren. Natürlich könne die Beratungsstelle auch ganzjährig zu Themen wie Esssucht, Drogen oder Mediennutzung in Anspruch genommen werden.

(gkf)
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