Leverkusen: Streit um Radfahrverbot in Schlebuscher Fußgängerzone

Leverkusen : Streit um Radfahrverbot in Schlebuscher Fußgängerzone

Eine Fußgängerzone ist zum entspannten Bummeln da - so sehen es auch viele unserer Facebook-Leser. Ob das allerdings zwangsläufig ein Radfahrverbot bedeuten muss, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Der ADFC plädiert für Rücksichtnahme seitens der Radler in der Schlebuscher Fußgängerzone, will aber die Radfahrfreiheit erhalten.

Rasende Fahrradfahrer, die Passanten erschrecken oder gar umfahren - davon berichten Mitglieder des Seniorenforums Schlebusch ebenso wie unsere Leser. Die Schlebuscher Fußgängerzone ist zuweilen ein hart umkämpftes Terrain. Dabei soll eine derartige Zone eigentlich zum entspannten Flanieren einladen. So sieht es auch der Radfahrerverband ADFC. "Damit das "Zusammenleben" von Fußgängern und Radfahrern in der Fußgängerzone funktioniert, müssen sich Radfahrer ausgesprochen rücksichtsvoll verhalten, Schritt fahren, Abstand halten, jederzeit bremsbereit sein — und immer damit rechnen, dass Fußgänger spontan die Richtung ändern oder stehenbleiben. Denn in freigegebenen Fußgängerzonen sind Radfahrer nur "zu Gast", schreibt die Bundesgeschäftsstelle des ADFC auf Anfrage unserer Redaktion.

Heinz Boden, Vorsitzender des ADFC Leverkusen sieht bei vielen Radlern noch Nachholbdearf. "Viele Radfahrer nehmen leider nicht genug Rücksicht. Wir wollen daher überlegen, wie wir auf die Radfahrer einwirken können", sagt er.

Die Mehrheit der Mitglieder im Seniorenforum Schlebusch hatte jüngst gefordert, das Radfahren in der Schlebuscher Fußgängerzone zu verbieten. Grund: Die Situation habe sich auf der Straße verschärft. Gerade im Sommer rasten Schüler durch die Zone, die dann von Stühlen und Tischen der Außengastronomie zusätzlich verengt werde. Für Senioren stelle das eine Gefahr dar, aber auch für Eltern mit Kinderwagen.

Ein Radfahrverbot in der Fußgängerzone kann jedoch nach Meinung von Heinz Boden nicht die Lösung für das Problem sein. "Auf Flächen, die Radfahrer und Fußgänger gemeinsam benutzen, gibt es eigentlich immer Konflikte. Sie können schon dadurch entstehen, dass sich ein Fußgänger erschreckt, wenn ein Radfahrer an ihm vorbeifährt, der Radler aber denkt 'Ich habe ja genug Platz'" erläutert Boden.

Für getrennte Wege spricht sich auch die Verkehrspädagogin Maria Limbourg, emeritierte Professorin der Universität Duisburg-Essen, aus. "Bei sogenannten Shared-Space-Zonen kommen Kinder und Senioren häufig zu kurz. Es ist aber auch möglich, in der Fußgängerzone einen farblich markierten Fahrradstreifen anzulegen", sagt Limbourg. Eine gewisse Eingewöhnungszeit für Fußgänger und Radfahrer sei allerdings nötig.

Limbourg macht aber auch darauf aufmerksam, dass die Städte Radfahrern Anreize bieten müssen, wenn sie autofreie Innenstädte fördern wollen. "Möglich wäre, in einer Parallelstraße eine Fahrradstraße anzulegen, in der die Radfahrer dann Vorfahrt haben und Autofahrer Schritt fahren müssen", ergänzt die Expertin. Ob sich das realisieren lässt, hängt jedoch von den Gegebenheiten vor Ort ab. Für Schlebusch sei das nicht umzusetzen, denn im Umkreis gebe es keine geeignete Straße für ein solches Vorhaben, teilte eine Stadtsprecherin auf Anfrage mit.

Der ADFC Leverkusen sieht die Situation auf der parallel zur Fußgängerzone verlaufenden Oulustraße kritisch. "Dort ist der Radweg zu schmal", meint Boden. Er bemängelt die unsichere Verkehrsführung. Erstens sollen Radler den Fußweg dort gemeinsam mit den Fußgängern nutzen oder auf der Straße fahren, was wegen des begrenzten Platzes zu Problemen führt. Zweitens müssten Fahrradfahrer am Ende der Straße über mehrere Ampeln fahren, um wieder auf die Weiterführung der Fußgängerzone zu gelangen. "Auf der anderen Parallelstraße kann man auch nicht vernünftig fahren, denn das ist eine Sackgasse", sagt Boden.

(vpa)
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