1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen: Streik: Busse standen ab vier Uhr still

Leverkusen : Streik: Busse standen ab vier Uhr still

300 Wupsi-Mitarbeiter sowie 200 Avea- und Klinikum-Beschäftigte streikten gestern: KLS-Mitarbeiter wehrten sich gegen "ein Zwei-Klassen-System" bei der Bezahlung im Klinikum. Busfahrer fordern mehr Geld für die Altersversorgung.

Dem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi folgten gestern alle 300 Fahrer der Verkehrsbetriebe Wupper-Sieg (Wupsi) in Leverkusen und Bergisch Gladbach. Außerdem gingen etwa 200 Mitarbeiter des Klinikums Leverkusen und des Müllentsorgers Avea gestern Mittag in den Ausstand. Sie fordern gemeinsam mit den insgesamt zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine Grunderhöhung von 100 Euro sowie eine zusätzliche Erhöhung von 3,5 Prozent ihres Lohnes und Gehaltes.

 Unter anderem Klinikum-Betriebsratschef Wolfgang Stückle sprach bei der Warnstreikmittagspause auf dem Gesundheitsparkgelände per Megaphon zu den Warnstreikenden von Klinikum, KLS, EVL und Avea.
Unter anderem Klinikum-Betriebsratschef Wolfgang Stückle sprach bei der Warnstreikmittagspause auf dem Gesundheitsparkgelände per Megaphon zu den Warnstreikenden von Klinikum, KLS, EVL und Avea. Foto: Heinz-Friedrich Hoffmann

Die Mitarbeiter der Krankenhaus Leverkusen Service GmbH (KLS) fordern außerdem die gleiche tarifliche Bezahlung wie ihre Kollegen, die beim Klinikum beschäftigt sind. Denn die KLS-Löhne liegen laut Gewerkschaftssekretär Willi Oberländer 20 Prozent unter den Gehältern der beim Klinikum Angestellten. "Wir wollen Lohnerhöhung und Weihnachtsgeld", forderten die KLS-Mitarbeiter gestern auf einem Transparent. Als Hinweis auf das fehlende Weihachtsgeld hatten sie sich für den Warnstreik in der Mittagspause vor dem Klinikum Nikolausmützen aufgesetzt.

  • Protokoll : Warnstreik: Pendler müssen Geduld beweisen
  • Warnstreik in NRW - Pendler brauchen Geduld
  • NRW : Streik keine Entschuldigung für Verspätung

Zur Frühschicht traten die Busfahrer der Wupsi gestern Morgen zwar um vier Uhr an, wie immer. Sie ließen die Busse aber stehen und parkten einige quer auf dem großen Platz vor den Garagen. Sämtliche 140 Wupsi-Busse sollten bis 1 Uhr nachts still stehen, kündigte Betriebsratsvorsitzender Harald Breutling an. Nur die Subunternehmer, die unter der Wupsi-Flagge fahren, seien gestern in Leverkusen noch unterwegs gewesen, aber keiner der fest Beschäftigten bei der Wupsi. Laut Harald Breutling verdienen 50 der 300 Kollegen trotz Drei-Schicht-Betrieb nur den Niedriglohn von 2106 Euro Brutto. "Wenn man bedenkt, dass wir bis 67 Jahre arbeiten sollen, dann können diese Kollegen mit ihrem Lohn noch nicht mal für eine ausreichende Altersversorgung sparen", beklagt der Betriebsratsvorsitzende.

Mit einer Delegation fuhr Breutling am Mittag auch zur Verdi-Demonstration am Klinikum. Dort wurde das übliche Pfeifkonzert der Verdi-Kundgebung nur zeitweilig unterbrochen für die Reden und vor allem auch für einen Imbiss: Frühlingsrollen gab es zur Stärkung der Streikenden.

Wolfgang Stückle, Betriebsratsvorsitzender des Klinikums Leverkusen, sieht die Gefahr, dass immer mehr Arbeitsplätze in die niedriger dotierte KLS verlagert werden. Von insgesamt 2130 Beschäftigten im Klinikum seien bereits 400 bei der KLS angestellt und würden damit niedriger entlohnt als ihre Kollegen: "Und es werden noch mehr. Die Bereiche Waschen, Kochen, Reinigung, Sterilisation, Transport und Teile der Verwaltung sind schon der KLS zugeschlagen. Es gibt aber noch Mitarbeiter aus der Zeit vor der 2001 gegründeten KLS. Wenn deren Stellen wegfallen, dann werden neue Mitarbeiter nur noch bei der KLS beschäftigt", verdeutlicht der Betriebsratsvorsitzende das "beklagenswerte Zwei-Klassen-System" im Klinikum.

Für Verdi-Sekretär Oberländer war gestern nach dem Warnstreik auch zugleich schon wieder vor dem nächsten Streik. Er rechne damit, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht so schnell einig werden. "Das nächste Mal fahren wir alle zur Großkundgebung nach Köln", kündigt der Verdi-Mann an.

(RP)