Jahreswechsel mit den Bayer Philharmonikern: Strauß gehört zu Silvester wie der Sekt

Jahreswechsel mit den Bayer Philharmonikern : Strauß gehört zu Silvester wie der Sekt

Sehr gelungen: Mit musikalischen Fantasien begingen die Bayer Philharmoniker den Jahreswechsel.

Keine Zeit ist so wenig der Realität verpflichtet wie die Stunden des Übergangs von einem Jahr zum nächsten. Es ist die Zeit für gute Vorsätze, Erwartungen und das Ersinnen von Luftschlössern. Die Bayer Philharmoniker haben weitere Fantasien, Selbstbetrug und Wahnvorstellungen hinzugefügt, um daraus ein buntes musikalisches Programm für ihr letztes Konzert in 2019 und das erste in 2020 zu basteln: „Es is’ alles Chimäre.“ Das Motto ist ein Zitat von Johann Nestroy, der den Satz ergänzte „…aber mich unterhalt’s“.

Im Land der Oper und Operette wurden sie leicht fündig, denn da mangelt es nicht an Lug und Trug im Reich der Töne, die zudem perlen und prickeln wie das unerlässliche Getränk für diese Nacht, an das die Projektionen an den Seiten der Forum-Bühne beim ersten Konzert erinnern. Freie Plätze gab es bei KulturStadtLev nur ganz vereinzelt am Silvesterabend. Das Konzertformat ist ebenso beliebt wie der musikalisch identische Neujahrsgruß von Bayer Kultur im Erholungshaus.

Bernhard Steiner stand dabei nicht nur am Pult, um sein Orchester zum vitalen Spiel zu ermuntern. Er übernimmt gerne selbst den Part der Moderation, die den Zusammenhang beschreibt, aus dem die ausgewählten Ouvertüren, Arien und Duette genommen wurden. Schließlich dürften die Handlungsstränge und Charaktere den wenigsten Zuhörern präsent sein. Sofern es sich nicht um absolut populäre Bühnenwerke handelt wie die Oper Carmen von George Bizet. Oder „Die Fledermaus“, mit der die Philharmoniker schließlich bei dem Komponisten angekommen sind, der zu Silvester und Neujahr gehört wie Sekt und Champagner: Johann Strauß.

Schwingend und mitreißend war die Musik schon mit der ersten Ouvertüre zur weniger bekannten Oper „Zampa“ von Ferdinand Hérold, die ohne Ankündigung mit einem kräftigen Einsatz der Schlagzeug-Abteilung begann und zwischen militärisch inspirierter Musik auch lyrische Passagen und einen choralartigen Bläser-Part einschließt. Perfekt, um das Publikum gleich zu Beginn in die Wunderkiste blicken zu lassen, aus der sich die Instrumentalisten bedienen, um die Fantasien und Geschichten der Bühne möglichst glaubhaft erscheinen zu lassen. Wenn man in der konzertanten Aufführung kein Bühnenbild zu Hilfe nehmen kann, so doch aber das handelnde Personal, das nicht stocksteif die Stimme erhob, sondern sich in die Rollen versenkte.

Mit weichem, geschmeidigen und beweglichen Tenor erfreute Matthias Koziorowski etwa mit Lehárs „Da geh ich ins Maxim“ und der Blumenarie aus Carmen. Eleonore Marguerre antwortete mit Funkeln in der runden, vollen Sopranstimme mit der Juwelenarie aus Gounods Oper Faust. Neben den Soloarien passten beide Stimmen auch in mehreren Duetten sehr schön zusammen.