Leverkusen: Straßenlaterne nimmt Opladenerin den Schlaf

Leverkusen: Straßenlaterne nimmt Opladenerin den Schlaf

In Svenja Pietschs Schlafzimmer ist es nachts hell. Grund ist eine öffentliche Leuchte, die unmittelbar vor ihrem Fenster montiert ist.Die Stadt besteht auf dem Standort. Verdunklung wäre aufwendig.

Die gemeine Straßenlaterne, Typ Innenstadt, fristet ein hartes Leben. Wind, Frost und Hitze gehen auf die Substanz, jeder Hund hebt am Mast das Bein. An den kommenden tollen Tagen nutzen ersatzweise zweibeinige Wildpinkler die Laterne als Urin-Abschlagstelle. Der gefährlichste Feind der Laterne ist aber der Autofahrer: Er rempelt sie gerne beim Einparken an, wahlweise bringt er sie in Schräglage oder fällt sie komplett. Genau deshalb setzt die Stadt die Laternen nicht mehr an die Gehwegkante, sondern platziert sie am liebsten an der Grenze zwischen Bürgersteig und privaten Grundstücken. Diese Praxis brachte jetzt der Opladenerin Svenja Pietsch eine überraschende Erleuchtung: Die Stadt ließ an ihrer Neubauwohnung auf der Münzstraße eine herrlich strahlende Leuchte an die Hauswand platzieren - und damit nur wenige Zentimeter vom Fenster entfernt. Folge: "In meinem Schlafzimmer ist nachts es so hell, dass ich zum Lesen fast keine Nachttischlampe mehr brauche", berichtet die Opladenerin und fragte die Stadt: "Ist das euer Ernst?" Wissenschaftler diskutieren übrigens sogar, ob Schlafen in zu hellen Räumen Krebsgefahr birgt.

Die Kommunen sind verpflichtet, die meisten Straßen nachts zu beleuchten. Zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, speziell von Fußgängern und Radlern. Unterlässt die Stadt dies, kann sie nach einem Unfall zu Schadenersatz verurteilt werden. Die Standorte einer Laterne werden in Leverkusen von Mitarbeitern des städtischen Fachbereichs Tiefbau und den Experten der Energieversorgung Leverkusen (EVL) festgelegt. So war es auch an dem Neubau Münzstraße in Opladen, bestätigte die Stadt auf Anfrage.

Warum muss dort die Straßenlampe ausgerechnet am Schlafzimmerfenster stehen? Die Stadt: "Die bestehende Laterne wurde während der Bauphase des Hauses entfernt und jetzt wieder aufgestellt. Allerdings wurde bei dem Gebäude genau dort ein Erker gebaut, wo die Laterne bislang stand, so dass ein neuer Standort gefunden werden musste." Der Platz in der Erker-Nische sorgt allerdings dafür, dass ein Teil des Laternenlichts gar nicht die Straße erreicht. Nach Analyse mehrere Standorte blieb laut Stadt nur die jetzt festgelegte Position.

Dass Straßenlaternen in die erste Etage eines Hauses leuchten, passiert immer da, wo Häuser direkt bis an den Gehweg gebaut wurden. In der Münzstraße ist dies so, aber auch in der Umgebung, etwa in der Kämpchenstraße. Weitere Beispiele finden sich in Leverkusen etliche. In der nahen Altstadtstraße wurde eine Straßenlaterne sogar so positioniert, dass der Bauherr des Neubaus die Dachrinne teilen musste, damit der Mast haarscharf an der Dachkante vorbeigeführt werden konnte. Dies geschah in Absprache mit dem Hausbauer. Eine solche Abstimmung haben auch die Hausverwaltung der Münzstraße und der Architekt des Gebäudes versucht, sagt Svenja Pietsch: "Bedauerlicherweise vergeblich."

Und wieso lässt die Bewohnerin nicht einfach die Rollladen runter und dunkel ist es? Es gibt keine, weil an dem Erker angeblich kein Platz dafür ist. Ersatzweise wurden Außenjalousien montiert. Sie sind jedoch eher ein Sicht- und Sonnenschutz. Selbst wenn die Lamellen geschlossen seien, dringe zuviel Licht ins Schlafzimmer, sagt die Bewohnerin. Sie hofft nun, dass Stadt und EVL eine Möglichkeit finden, die Laternenleuchte so abzuschirmen, dass kein Licht mehr durch die bodentiefen Fenster fällt. "Wir prüfen das", bestätigte die Stadt unserer Redaktion. Als letzte Möglichkeit, die Svenja Pietsch nur ungern ergreifen will, wäre die Montage von regelrechten Verdunklungsvorhängen.

So ganz unbesorgt mit Licht im Schlafzimmer sollten Bewohner ohnehin nicht sein. Zu helle Schlafräume könnten Gesundheitsschäden verursachen, weil der Erholungsprozess des Menschen gestört werde, sagen Wissenschaftler. Einige schließen sogar nicht aus, dass ein solcher "unnatürlicher" Lichtzustand Krebs und Diabetes verursacht (siehe Info).

(us)