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Stoffhändlerin Ulrike Walter in Leverkusen-Opladen näht Mundschutze.

Nachfrage ist groß : Mundschutz nähen gegen die Krise

Ulrike Walter arbeitet normalerweise in ihrem Stoffladen in Opladen oder gibt Nähkurse. Weil beides derzeit nicht geht, näht sie Mundschutze und gibt sie kostenlos ab. Das Interesse von Privatleuten, Firmen, Einrichtungen ist groß.

Es fing mit einem Anruf aus Freiburg an. Dort lebt eine Freundin von Ulrike Walter, arbeitet als Kinderkrankenschwester. „Sie hat mich gefragt, ob ich für sie nicht einen Mundschutz nähen kann“, berichtet die Opladener Geschäftsfrau. Ihr Stoffladen an der Kölner Straße ist seit vergangener Woche ebenso wie die meisten Einzelhandelsgeschäfte in der Stadt geschlossen. Sorgen, wie es mit ihrem Laden weitergehen wird, kommen auch bei ihr auf. Im Moment aber schiebt Ulrike Walter sie beiseite und macht Platz für eine große Solidaritätsaktion.

Die Freundin aus Freiburg meldete sich nach Erhalt des Mundschutzes zurück mit einem Wort: „Spitze.“ Die Bestätigung regte die Opladenerin an: „Die Idee von selbst genähten Mundschutzen sei gut. Aber ob sie auch im Rheinland auf Interesse stößt?“, fragte Walter sich und über soziale Medien im Bekanntenkreis. Die Rückmeldungen waren allsamt positiv. Seitdem näht sie Mundschutze.

An die 100 Stück in verschiedenen Farben und Mustern hat sie bisher gefertigt. Für jedes braucht sie rund eine halbe Stunde. Im Bereich der Nase wird ein kleiner Draht eingesetzt, um dem Mundschutz dem Gesicht anpassen zu können. Um die Gesichtsmaske am Kopf zu befestigen, nutzt sie kein Gummi, sondern Stoffbänder, „die individuell an die Kopfgröße angepasst gebunden werden können“.

Als Material wählt Walter ein Baumwollmolton, „das ist ein weiches Material, das sehr angenehm zu tragen ist“. Auch das hat die Freundin aus Süddeutschland bestätigt, bevor Walter in die Serienproduktion nach einem Schnittmuster der Stadtwerke Essen eingestiegen ist. Den Stoff wäscht Ulrike Walter nochmal extra bei 60 Grad durch. Die Mundschutze können auch später vom Benutzer immer wiederverwendet werden, weil sie, anders als andere Gesichtsmasken, in die Waschmaschine können. „Der Mundschutz läuft nicht ein und bleibt weich.“

Mittlerweile ist der Schneeball-Effekt eingetreten. Es kommen Anfragen aus dem privaten Bereich nach ein, zwei Mundschutzen, aber auch Anfragen von Physiotherapiepraxen, von Handwerksbetrieben, der Caritas, auch das Opladener Krankenhaus habe Interesse gezeigt. Einem Drogeriemarkt vor Ort hat die Opladenerin Masken geschenkt, weil dort Bedarf bestand.

Ulrike Walter, die ursprünglich aus Süddeutschland kommt, aber seit mehr als 30 Jahren im Rheinland lebt, gibt die Mundschutze kostenlos ab. Sie bittet aber um ein Spende für die Opladener Einzelhändler. „Jeder Tüte, die ich rausgebe, sind die Kontodaten für die Spende beigelegt“, sagt sie.

Bedarf hat sie mittlerweile auch selbst, und zwar an den Bändern für die Befestigung der Mundschutze. Bei ihrem Händler habe sie schon entsprechendes Material dafür bestellt. Und Bedarf hat Ulrike Walter auch an Personal für die Serienproduktion: Die Schneiderin, die auch sonst für Walter arbeitet, macht mit. Auch Walters Ehemann ist mittlerweile einbezogen. „Er schneidet den Stoff für die Mundschutze zu.“

Der größte Auftrag, den Ulrike Walter bisher zu bewältigen hatte, ist eine Bestellung von 50 Masken. „Wir produzieren schon fast am Fließband“, sagt die Opladenerin schmunzelnd. Und in ihre Heimat, der Geburtsstätte der Idee, hat sie mittlerweile auch schon 30 Masken geschickt.